Aufruhr an der Universität Hamburg: Exzellenz in Gefahr!
Die Universität Hamburg ist in Aufruhr. Am Donnerstag wird zu einer Demonstration aufgerufen, und der Anlass könnte kaum ernster sein: Die prekäre finanzielle Lage der Hochschulen. Studierende und Beschäftigte machen ihrem Unmut Luft, und das aus gutem Grund. Professor Peter Burger, der im Fachbereich Chemie tätig ist, hat es treffend formuliert: Ja, die Universität trägt den Titel „Exzellenzuniversität“, aber finanziell steckt sie in der Klemme. Es steht die Forderung im Raum, den jährlichen staatlichen Grundetat um 30 Millionen Euro zu erhöhen. Aktuell liegt dieser bei etwa 390 Millionen Euro, was für einen derart renommierten Standort einfach nicht ausreichen kann.
Die Situation ist alarmierend: An der Universität Hamburg sind 2024 fast 35% der Promotionsstellen unbesetzt, und ab diesem Jahr werden keine neuen Landespromotionsstipendien vergeben. John Lütten, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, berichtet von drastischen Budgetkürzungen in der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften – bis zu einem Viertel! Rund 370 Vollzeitstellen sind betroffen, und die Folgen könnten gravierend sein: Schließungen von Instituten, der Wegfall ganzer Studiengänge und eine Reduktion der Studierendenzahlen stehen im Raum. Es gibt sogar Haushaltssperren, die das akademische Leben weiter belasten.
Der Exzellenzstatus und die Herausforderungen
Dr. Peter Tschentscher, der Erste Bürgermeister von Hamburg, hat die Bedeutung der Stadt als Wissenschaftsstandort hervorgehoben. Mit rund 20 Hochschulen und über 30 Forschungseinrichtungen ist Hamburg ein wichtiger Akteur in der Bildungslandschaft. Trotz des Exzellenzstatus der Universität, der durch die erneute Bestätigung im Wettbewerb um die Exzellenzförderung untermauert wurde, bleibt die finanzielle Unterstützung auf der Strecke. Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, hat den Erhalt des Exzellenztitels als großen Erfolg gefeiert – doch die realen Herausforderungen vor Ort scheinen damit nicht kleiner zu werden.
Die Universität hat in den letzten sieben Jahren bemerkenswerte Fortschritte in den Bereichen Forschung, Lehre und Internationalisierung erzielt. Doch die finanzielle Basis ist wackelig. Die Stadt ist verantwortlich für die Finanzierung der Lehre, betont Burger, und diese Verantwortung wird sträflich vernachlässigt. Ein Konzept zur „Twin Transformation“ mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung wurde entwickelt, aber wenn das Geld nicht fließt, bleibt das alles Theorie.
Der Weg in die Zukunft
Die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder unterstützt Hochschulen mit dauerhafter Finanzierung, um ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Aber dafür braucht es eine überzeugende Gesamtstrategie zur Profilbildung und Internationalisierung. Hamburg hat es geschafft, mindestens zwei Exzellenzcluster erfolgreich einzuwerben, um sich für diese Förderungen zu qualifizieren. Die internationale Gutachtendengruppe bescheinigt der Universität eine hervorragende Entwicklung und einen Kulturwandel – das klingt vielversprechend, doch die Realität auf dem Campus ist eine andere.
Die nächste Herausforderung steht bevor: Der rot-grüne Senat plant, den Haushaltsentwurf für 2027 und 2028 bis Ende des Monats zu beschließen. Mitte Dezember wird dieser dann von der Hamburgischen Bürgerschaft verabschiedet. Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Protestierenden Gehör finden und die benötigten Mittel fließen. Denn ohne eine solide finanzielle Grundlage wird es schwer, den Exzellenzstatus auf Dauer zu halten und zukunftsorientierte Bildung zu gewährleisten. Die Stadt und die Universität stehen an einem Scheideweg, und die Weichen für die Zukunft müssen jetzt gestellt werden.
