Grüne unter Druck: 130.000 Euro Nachforderung erschüttert Hamburger Partei
Heute ist der 10.06.2026 und in Hamburg-Mitte brodelt es gewaltig. Die Hamburger Grünen sehen sich einem aufkommenden Sturm gegenüber, der nicht nur die Parteikassen betrifft, sondern auch die Position einiger ihrer prominentesten Politiker. Der Grund? Eine brisante Enthüllung: Die Vorsitzenden der Grünen sollen über Jahre hinweg keine Sozialversicherungsbeiträge auf ihre Parteivergütungen gezahlt haben. Das hat nun zur Folge, dass Nachforderungen in Höhe von 130.000 Euro an die Deutsche Rentenversicherung fällig werden. Ja, richtig gelesen – 130.000 Euro! Und das über einen Zeitraum von 2020 bis zur Mitte 2025.
Betroffen sind einige Gesichter, die in der Hamburger Politik ziemlich bekannt sind. Leon Alam, der amtierende Landesvorsitzende, sowie die frühere Vorsitzende und jetzige Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal stehen ebenso auf der Liste wie die Ex-Schatzmeisterin Lisa Kern, Anna Gallina (Ex-Landesvorsitzende und gegenwärtige Justizsenatorin) und Martin Bill, der frühere Parteivize und heutige Verkehrsstaatsrat. Wer hätte gedacht, dass die Grünen, die sich als Vorreiter in Sachen sozialer Gerechtigkeit präsentieren, sich nun mit solchen Vorwürfen auseinandersetzen müssen?
Ein Aufschrei aus den eigenen Reihen
Die Reaktionen innerhalb der Partei sind gespalten. Während eine Landesmitgliederversammlung im April beschloss, die Nachforderung aus der Parteikasse zu begleichen, regt sich erheblicher Widerstand. Besonders lautstark äußert sich Lars Boettger, ein Altonaer Grünen-Politiker, der eine Anwaltskanzlei eingeschaltet hat. Er fordert, dass die betroffenen Vorstandsmitglieder ihre Arbeitnehmeranteile selbst nachzahlen. „Wir Grünen setzen uns überall dafür ein, dass Menschen sozialversicherungspflichtig arbeiten“, zitiert er. Ein starkes Wort aus einem, der selbst in der Politik tätig ist!
Doch es bleibt nicht bei Boettger. Auch andere prominente Kritiker wie Dominik Lorenzen, früherer Fraktionschef, und Jennifer Jasberg, Ex-Fraktionschefin, mischen sich ein. Sie haben Bedenken, dass die aktuelle Situation nicht nur den Ruf der Partei schädigt, sondern auch die Position von Maryam Blumenthal gefährden könnte, die von 2021 bis 2025 Parteichefin war. Der Stress ist spürbar, und die Fragen häufen sich: Ab wann ist ein bezahltes Ehrenamt sozialversicherungspflichtig? Diese rechtliche Fragestellung geistert seit Jahren durch die politischen Gänge und scheint nach wie vor nicht geklärt zu sein.
Ein rechtlicher Spagat
Die Hamburger CDU hat bereits die Gelegenheit genutzt, um die Grünen zu kritisieren und spricht von „grünen Gehaltstricks“. Der Druck auf die Verantwortlichen wächst, und es bleibt abzuwarten, ob sich die Wogen glätten oder ob die Debatte vor Gericht endet. Boettgers Anwalt hat eine Frist bis zum 19. Juni für eine Verjährungsverzichtserklärung gesetzt. Es ist ein Spiel auf Zeit, und die Frage bleibt, ob eine Einigung erzielt werden kann.
Selina Storm, die Parteichefin, hat die Forderungen von Boettger zurückgewiesen und argumentiert, dass eine Zahlung aus eigener Tasche „nicht verhältnismäßig“ wäre. Sie ist überzeugt, dass die Grünen von einem nicht sozialversicherungspflichtigen Ehrenamt ausgegangen sind und dass eine spätere Änderung der Kriterien der Rentenversicherung nicht die Verantwortung der Partei tragen kann. Nur für drei Monate seien Arbeitnehmeranteile zurückgefordert worden – und das sei bereits geschehen. Ein Argument, das in der aktuellen Lage jedoch nur bedingt zu überzeugen vermag.
Die Diskussion wird sicherlich noch weitergehen und könnte die Hamburger Grünen an einem entscheidenden Punkt ihrer politischen Laufbahn treffen. Eine Klärung der Rechtslage wäre sicherlich wünschenswert gewesen – wie Dagmar Felix, Professorin für Öffentliches Recht und Sozialrecht, anmerkt. Der Druck von außen ist groß, und die kommenden Tage werden zeigen, wie sich diese turbulente Situation entwickeln wird.
