In Bergedorf brodelt es! Am Frascatiplatz steht ein umstrittenes Fest der Ditib-Gemeinde an, und die Gemüter sind erregt. Das Bezirksamt hat entschieden, dass die Veranstaltung stattfinden kann, nachdem es intensive Gespräche mit den Veranstaltenden gab. Doch die Bergedorfer FDP bleibt skeptisch und fordert weiterhin eine Absage des Festes. Die Hintergründe sind alles andere als klar, gerade jetzt, wo das Thema Antisemitismus in aller Munde ist.

Ursprünglich hatten die Veranstaltenden mit dem Auftritt von Hasspredigern geworben – ein Umstand, der die Alarmglocken läuten ließ. Sonja Jacobsen von der FDP und der Islamismusexperte Eren Güvercin machten die Werbung öffentlich und sorgten dafür, dass sieben Gastredner und Prediger schließlich ausgeladen wurden. Das Bezirksamt hat sich klar positioniert: Personen mit antisemitischen oder islamistischen Positionen sind unerwünscht. Die Ditib-Gemeinde selbst hat versichert, dass die kritisierten Personen nicht teilnehmen werden.

Ein Festival mit Schatten

Die Ditib, ein türkischer Religionsverband, der unter dem Staatsvertrag mit der Stadt Hamburg steht, versucht, sich von den problematischen Rednern zu distanzieren. Fedayi İleri, der Vorsitzende der Ditib Bergedorf, hat vor, die Vorwürfe einer Aufarbeitungskommission zu übergeben. Gleichzeitig wirft die FDP-Politikerin Jacobsen die Frage auf, inwiefern die Beteiligung der türkischen Staatsbehörde YTB an den Kulturtagen problematisch ist. Schließlich ist diese Behörde für die Diasporapolitik der Türkei zuständig und wird als Instrument türkischer Außen- und Kulturpolitik betrachtet.

Auf dem Veranstaltungsplakat prangt das Logo der YTB – ein weiteres Zeichen, das die Jüdische Gemeinde besorgt. Ein Protestcamp am Dammtor-Bahnhof ist bereits in Planung und sorgt ebenfalls für Unruhe. Der frühere Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel hat angemerkt, dass Antisemitismus in Hamburg relativiert wird. Die Gedenk- und Kulturtage der Kocatepe Moschee, die vom 14. bis 17. Mai stattfinden, werden nun als Testfall für Hamburgs Islampolitik betrachtet.

Die gespaltene Gesellschaft

Ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Eine Studie von 2020 hat ergeben, dass antisemitische Einstellungen in muslimischen Communities stärker ausgeprägt sind als in der Mehrheitsgesellschaft. Die Ditib, die in Deutschland nahezu 800 Moscheen betreibt und die größte Gruppe der muslimischen Community repräsentiert, steht dabei oft in der Kritik. Die Imame der Ditib sind direkt beim türkischen Staat angestellt, und die Freitagspredigten kommen aus Ankara. Das wirft Fragen auf – und das nicht nur in Bergedorf.

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Die Diskussion über Antisemitismus und die Rolle von Ditib ist alles andere als einfach. Immer wieder wird gefordert, dass der kritische Dialog mit der Ditib intensiviert werden muss, besonders nach antisemitischen Äußerungen des Diyanet-Chefs Ali Erbas. Die Herausforderungen sind groß, und die Stadt Hamburg ist gefordert, klare Positionen zu beziehen. Ein Protestcamp, das an einem anderen Ort stattfinden soll, ist nur einer der vielen Schritte, die nötig sind, um die Situation zu entschärfen.

Im Hintergrund zieht sich ein roter Faden durch die Debatte: Die Frage, wie Religion und Politik miteinander verwoben sind – und wie viel Einfluss das türkische Regime auf die muslimische Community hierzulande hat. Es bleibt spannend, was die kommenden Tage bringen werden und wie die Stadt Hamburg auf die verschiedenen Stimmen reagieren wird.