In Bergedorf, einem Stadtteil von Hamburg, zieht sich ein besorgniserregender Schatten über die idyllische Kulisse. Seit Januar 2025 wurden hier laut einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion insgesamt 129 rechtsextremistische Vorfälle registriert. Das ist schon eine bemerkenswerte Zahl, oder? Man fragt sich, wo die Stadt hinsteuert, wenn so viele Vorfälle wie Hitlergrüße, NS-Graffiti und Bedrohungen an die Öffentlichkeit gelangen.
Die Daten, die uns die Hamburger Hinweisstelle für antisemitische, rassistische und rechte Vorfälle sowie die Polizei liefern, sind alarmierend. In 44 Fällen konnten die Ermittler sogar Tatverdächtige identifizieren, insgesamt sind 49 Beschuldigte in den Fokus geraten. Bergedorf hat sich offenbar zu einem Aktionsschwerpunkt junger Neonazis entwickelt. Ein Umstand, den Fachstellen mit Sorge beobachten, insbesondere das offensive Auftreten rechter Gruppen unter jungen Menschen. Treffpunkte dieser Gruppierungen sind unter anderem der Schlosspark, der Bergedorfer Bahnhof und das City Center. Die Polizei hat seit Sommer 2024 schon zwölf Platzverweise und sechs Aufenthaltsverbote ausgesprochen.
Ein Blick in die Vergangenheit
Wer einen Blick in die Vergangenheit wagt, erkennt, dass Bergedorf nicht immer die friedliche Idylle war, die viele von uns kennen. In den 1970er und 1980er Jahren war Hamburg ein wichtiges Aufmarschgebiet für die extreme Rechte. Bergedorf stand dabei besonders im Fokus, als Neonazis aus taktischen Gründen Nachwuchs am Stadtrand rekrutierten. Die verbotene neonazistische Partei „Nationale Liste“ hatte sogar ihre Zentrale in einer Privatwohnung in Bergedorf-Lohbrügge, und ihr Vorsitzender, Thomas „Steiner“ Wulff, ist heute bekannt als Kopf der Bergedorfer NPD.
In dieser Zeit dokumentierten antifaschistische Organisationen eine Vielzahl an rechtsextremistischen Übergriffen. Neonazis versuchten, ihre Gebietsansprüche mit flächendeckenden Propagandaaktionen zu untermauern und politische Gegner einzuschüchtern. Dabei soll es sogar Wehrsportübungen gegeben haben, bei denen scharfe Waffen zum Einsatz kamen. Der Chef des Landesverfassungsschutzes, Manfred Murck, bestätigte, dass zwischen 15 und 20 der 160 gewaltbereiten Hamburger Rechtsextremisten in Bergedorf beheimatet sind.
Aktuelle Entwicklungen und Reaktionen
Die Problematik ist nicht neu, aber sie hat sich in den letzten Jahren verschärft. Im September 2012 kam es zu einem Anschlag eines Neonazis auf eine Gedenkfeier für ehemalige Zwangsarbeiter, bei dem acht Menschen verletzt wurden. Das hat Spuren hinterlassen. Eine Sprecherin eines Jugendbündnisses kündigte an, diese Themen stärker in den Fokus zu rücken und ein Zeichen gegen Übergriffe zu setzen. Und tatsächlich – am kommenden Samstag, um 15.00 Uhr, planen Neonazi-Gegner eine Demonstration am Bergedorfer Bahnhof, Ausgang Lohbrügge. Laut Bergedorfer Zeitung haben die Organisationen zwischen 50 und 100 Teilnehmer angemeldet. Das zeigt, dass es nicht nur einen Aufschrei gibt, sondern auch eine aktive Gegenbewegung.
Doch die Fragen bleiben: Was wird aus Bergedorf? Wie kann die Stadt die Welle des Rechtsextremismus eindämmen? Die Linksfraktion fordert einen „Masterplan gegen Rassismus und Faschismus“ für den Stadtteil. Ob das ausreicht, um der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu geben? Wir werden sehen. Die Situation ist angespannt, und es gibt viel zu tun, um das gemeinsame Miteinander zu stärken und dem Hass keinen Raum zu geben.