In Hamburg steht die Frage auf der Tagesordnung, wie mit dem Thema Antisemitismus umgegangen wird, besonders im Kontext der bevorstehenden 40. Gedenk- und Kulturtage der Kocatepe Moschee. Diese finden vom 14. bis 17. Mai in Bergedorf statt und werden von der Ditib, einer der größten muslimischen Organisationen in Deutschland, ausgerichtet. Doch die Veranstaltung ist umstritten, da auf dem Plakat mit dem Logo der türkischen Staatsbehörde YTB geworben wird. Diese Behörde, die dem Präsidialamt in Ankara untersteht, spielt eine zentrale Rolle in der Diasporapolitik der Türkei. [Welt] berichtet, dass Fedayi İleri, der Vorsitzende der Ditib Bergedorf, auch als Assistent der Geschäftsführung des Landesverbands Ditib Nord tätig ist.
Besonders besorgt ist die Jüdische Gemeinde über die Einladung mehrerer Redner, die antisemitische Inhalte verbreiten. Darunter ist der türkische Influencer Sertac Abi, der für seine provokativen Äußerungen bekannt ist. Auch die FDP-Politikerin Sonja Jacobsen hat Bedenken geäußert hinsichtlich der Zusammenarbeit mit YTB und der Transparenz, mit der die Veranstaltung gegenüber dem Bezirksamt dargestellt wurde. Diese Diskussion erinnert an aktuelle gesellschaftliche Debatten über Antisemitismus, der oft relativiert wird, wie auch der frühere Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel feststellte.
Protestcamp als Testfall
Parallel zu den Kulturtagen findet ein Protestcamp vom 9. bis 16. Mai am Sternschanzenpark statt, das von Gruppen organisiert wird, die als antisemitisch wahrgenommen werden. Das verdeutlicht die gespannte Atmosphäre rund um die Veranstaltungen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Stadt. Die Jüdische Gemeinde fordert nachdrücklich, dass solche Protestaktionen nicht an historisch sensiblen Orten stattfinden. Doch die Versammlungsbehörde hat bereits entschieden, dass das Protestcamp auf den Sternschanzenpark verlegt wird, um Konflikte zu vermeiden. Die FDP hat die Absage der Kulturtage gefordert, während der rot-grüne Senat betont, dass die Achtung der Menschenwürde und der Grundrechte in der Zusammenarbeit mit Ditib an oberster Stelle steht.
Blickt man in die breitere gesellschaftliche Landschaft, zeigt eine Studie von 2020, dass antisemitische Einstellungen in einigen muslimischen Communities stark ausgeprägt sind. Dies wird als gesamtgesellschaftliches Problem angesehen, das auch die politischen Entscheidungen nicht unberührt lassen darf. Die DİTİB, die knapp 800 Moscheen in Deutschland betreibt, steht dabei immer wieder in der Kritik. Ihre Imame sind nicht bei den Moscheegemeinden angestellt, sondern direkt beim türkischen Staat, was die Diskussion um die Unabhängigkeit und die Ideologie der Organisation weiter angeheizt hat. [AJC] thematisiert die Rolle der Ditib im Kontext von Religion und Politik, mit einem Fokus auf ihre Verbindung zur türkischen Regierung und den kritischen Äußerungen des Diyanet-Chefs Ali Erbas nach dem Terrorangriff der Hamas im Oktober 2023.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob Hamburg einen Weg findet, um sich mit diesen sensiblen Themen auseinanderzusetzen und dabei gleichzeitig den Dialog zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu fördern. Die Herausforderung liegt darin, Antisemitismus klar zu benennen und zu bekämpfen, ohne dabei die grundsätzlichen Werte der Menschenrechte aus den Augen zu verlieren.