25 Jahre nach dem Mord an Süleyman Taşköprü: Ein Kampf gegen das Vergessen
In Bahrenfeld, wo die Straßen von einer ruhigen Nachbarschaft geprägt sind, wird der 25. Jahrestag des Mordes an Süleyman Taşköprü besonders emotional und konfliktbeladen gefeiert. Am 27. Juni 2001 wurde Taşköprü in Hamburg-Altona erschossen, er war das dritte Opfer der rechtsextremistischen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Mit nur 31 Jahren hinterließ er nicht nur eine kleine Tochter, sondern auch eine Schmerzensgeschichte, die bis heute nachhallt.
Die rassistischen Motive der NSU-Taten wurden erst 2011 mit der Selbstenttarnung des NSU öffentlich. Bis dahin waren die zuständigen Sicherheitsbehörden nicht in der Lage, die Mordserie als zusammenhängendes Verbrechen zu erkennen und ermittelten stattdessen im Umfeld der Opfer. Von 2000 bis 2007 ermordete der NSU acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Der Mord an Taşköprü ist Teil dieser dunklen Chronik, die in der Geschichte der Bundesrepublik einen unverzeihlichen Fleck hinterlässt.
Ein schwieriges Gedenken
Der Hamburger Senat hat zwar 2014 einen Bericht zur NSU-Mordserie veröffentlicht, doch die Familie Taşköprü und viele andere fordern weiterhin einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA). Bisher blieb Hamburg das einzige Bundesland, in dem der NSU mordete, ohne dass ein PUA eingerichtet wurde. Die Angehörigen empfinden die bisherigen Gedenkfeiern als unzureichend und lehnen eine formelle Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag ab. Stattdessen möchten sie sich in einer ganz anderen Form engagieren: mit der Verteilung von Essen an Obdachlose.
Die Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit wollte Kontakt zur Familie aufnehmen, erhielt jedoch eine ablehnende Antwort. Das zeigt, wie tief die Wunden sitzen. Dennoch plant sie, am Gedenkstein in Bahrenfeld eine Ansprache im Plenum zu halten. Es ist eine Art stille Hommage, die den Wunsch der Familie respektiert. Veit sieht die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse als Chance, auch wenn die Trauer und der Schmerz der Angehörigen nicht einfach durch Worte gemildert werden können.
Wissenschaftliche Aufarbeitung und gesellschaftliche Verantwortung
Das interdisziplinäre Forschungsteam, das Anfang 2022 mit der Aufarbeitung der NSU-Geschichte begann, erhält Zugang zu wichtigen Unterlagen. Die Studie, die am 13. April 2023 von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossen wurde, ist ein bedeutender Schritt – auch wenn sie erst in drei Jahren mit einem umfassenden Gutachten abgeschlossen sein wird. Die Untersuchung wird von einem parlamentarischen Beirat begleitet und soll sich intensiv mit den systemischen Aspekten beschäftigen, die zu falschen Ermittlungshypothesen führten.
Die Kosten für diese Aufarbeitung werden auf etwa 900.000 Euro geschätzt. Doch die finanziellen Mittel sind nur ein Teil des Ganzen. Die Fragen, die nach wie vor im Raum stehen – zum Beispiel, warum der Mord an Taşköprü nicht als organisierte Kriminalität eingestuft wurde – sind von größter Bedeutung. Immerhin war Taşköprü nicht nur ein Mordopfer, sondern auch Teil einer viel größeren Geschichte von Rassismus und Gewalt.
Ein Vermächtnis der Erinnerung
Die Taten des NSU stellen nicht nur einen Bruch in der Geschichte der Bundesrepublik dar, sondern auch eine Herausforderung für alle, die sich mit den Ideologien des Rechtsextremismus auseinandersetzen müssen. Das Gedenken an Taşköprü und die anderen Opfer bleibt, wie es scheint, ein schwieriges Unterfangen. Die Aufarbeitung des NSU-Komplexes wird von vielen als unzureichend empfunden, und die Stimmen der Angehörigen verlangen mehr Sichtbarkeit und Gerechtigkeit.
Während der Gedenktag naht, wird klar, dass die Schatten der Vergangenheit nicht so leicht verschwinden. Die Familie Taşköprü zeigt uns, dass der Kampf gegen das Vergessen und die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit weitergehen müssen. Jede Erinnerung, jede Geste des Gedenkens ist Teil eines kollektiven Prozesses, der unser Bewusstsein für die dunklen Kapitel der Geschichte schärfen sollte.
