Abschied von der Trabrennbahn: Ein Stück Pferdesportgeschichte geht verloren
In Bahrenfeld, einem Stadtteil Hamburgs, schwebt das Ende einer Ära über der traditionsreichen Trabrennbahn. Wer hätte gedacht, dass ein Ort, der seit seiner Eröffnung am 20. Juni 1880 so viele Geschichten erzählt hat, bald nicht mehr existieren wird? Die letzten Pferde werden dort am 20. Dezember 2026 ihre Runden ziehen, bevor die Bahn für das große Projekt „Science City“ weichen muss. Unglaublich, oder? Der Plan sieht vor, dass auf dem Gelände 4500 Wohnungen entstehen sollen. Irgendwie traurig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen hier ihre Leidenschaft für den Pferdesport entdeckt haben.
Die Diskussionen um die Zukunft des Trabrennsports in Hamburg sind nicht neu. Seit Jahren wird über eine mögliche Zusammenlegung der Trabrennbahn mit den Galoppern im Stadtteil Horn gesprochen, und der Senat sowie Bürgermeister Peter Tschentscher unterstützen die Idee einer Doppelrennbahn. Aber die Realität ist, dass der reguläre Betrieb der Traber eine Sandbahn erfordert, die die Horner Rennbahn bislang nicht bieten kann. Ein Umzug dorthin ist also nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Der Geschäftsführer der Bahn, Peter Weihermüller, hat bereits mehrfach betont, dass das Aus der Rennbahn eine Katastrophe für den Trabrennsport in Deutschland darstellt.
Ein Stück Geschichte geht verloren
Die Trabrennbahn in Bahrenfeld ist nicht nur irgendein Sportgelände, sondern ein Teil der deutschen Pferdesportgeschichte. Mit überhöhten Bögen ist sie die einzige „schwedische Bahn außerhalb Schwedens“. Die Tribüne aus den 1970er-Jahren wurde vor einigen Jahren umfassend modernisiert und bietet nun allen Komfort, den man sich wünschen kann. Dennoch, trotz der Investitionen in die Infrastruktur, schwebt ein Schatten über der Bahn. Die letzte Saison wird mit 18 geplanten Veranstaltungen gefeiert, bei denen zwischen 500 und 2000 Zuschauer erwartet werden. Die Vorfreude auf diese letzten Rennen ist spürbar, aber auch die Traurigkeit, dass bald alles vorbei sein könnte.
Die Herausforderungen sind nicht zu übersehen. Wo sollen die hochklassigen Trabrennen künftig stattfinden? Bisher gibt es keine geeigneten Ausweichflächen, und die Pläne in Horn, die ja nur in zwei bis drei Jahren realisiert werden könnten, sind alles andere als sicher. Weihermüller befürchtet, dass viele Züchter aufgeben und ihre Pferde verkaufen, bevor es überhaupt zu einer Lösung kommt. Ein Umstand, der nicht nur die Züchter, sondern auch die Fans des Trabrennsports in den Bann zieht. Man fragt sich: Was bleibt von dieser Tradition?
Die Zukunft der Trabrennbahn
Ein bisschen Hoffnung gibt es dennoch. Die Trabrennbahn wird zwar schließen, aber sie bleibt vorerst ein Ort der Begegnung. Die Zeltstadt des Circus Mignon wird 2027 im Westteil des Geländes aufgebaut, und die Staatsoper zieht für einige Wochen in die Zeltstadt, während ihr Gebäude saniert wird. So hat der Ort noch ein paar Überraschungen parat, auch wenn die Pferde bald nicht mehr über die Bahn galoppieren werden. Der Gedanke, dass hier bald keine Trabrennen mehr stattfinden, ist schon ein bisschen schmerzhaft. Aber irgendwie ist es auch spannend, was die Zukunft bringt.
Es bleibt abzuwarten, ob die Pläne für die Doppelrennbahn in Horn tatsächlich umgesetzt werden und ob der Pferdesport in Hamburg eine neue Heimat findet. Die letzten Rennen in Bahrenfeld werden sicherlich mit viel Emotion und Nostalgie verbunden sein. Ein Abschied, der nicht nur das Ende eines Sportstandorts markiert, sondern auch ein Stück Kultur in Hamburg. Die Erinnerungen an grandiose Renntage, den Duft von frisch gemähtem Gras und die Anfeuerungen der Zuschauer werden in den Herzen der Fans weiterleben.
