Eine Dokumentation über den FC St. Pauli klärt auf und regt zur Diskussion an. Die 45-minütige Doku „Sportclub Story – Vom Hakenkreuz zum Totenkopf – Der FC St. Pauli und seine Geschichte“ zeigt die Auseinandersetzung des Vereins mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. Diese spannende Doku, die von Katrin Hafemann und Marie Theresa Lassere produziert wurde, ist in der ARD-Mediathek sowie beim NDR zu finden und wird am Montag, dem 18. Mai, um 23.50 Uhr im Ersten unter „ARD History“ ausgestrahlt. stern.de berichtet, dass …

Warum ist dieser Verein so bedeutsam? Der FC St. Pauli hat sich seit den 1980er-Jahren nicht allein durch sportliche Erfolge, sondern durch seine Fankultur und sein politisches Selbstverständnis zu einem der bekanntesten Fußballvereine weltweit entwickelt. Heute wird er als Symbol für Antifaschismus, Toleranz und gesellschaftliches Engagement gefeiert. Die Doku legt dabei besondere Schwerpunkte auf die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte, wie das Schicksal von Selig Cahn, einem jüdischen Spieler, der 1942 deportiert und ermordet wurde. Zudem thematisiert die Doku die posthume Ehrung eines ehemaligen Funktionärs mit NS-Vergangenheit, der dem Klub 2010 die goldene Ehrennadel aberkannt wurde.

Erbe der Vergangenheit

In den 1990er-Jahren erlebte die Fangemeinde um Nazim Evren einen Wendepunkt, als ein türkischer Freund im Stadion rassistisch angegriffen wurde. Die Reaktion der Fans war bemerkenswert: Sie verwiesen Neonazis von den Tribünen und setzten sich aktiv gegen Rassismus ein. Dies steht im Kontrast zur früheren Geschichte des Clubs, als das Wilhelm-Koch-Stadion bis Ende der 90er-Jahre nach einem NSDAP-Mitglied benannt war. Diese Namensgebung führte zu Widerstand, besonders nachdem die Mitgliedschaft von Koch in der NSDAP bekannt wurde. Aktivist Ronny Galczynski forderte eine Umbenennung, stieß dabei aber auf heftige Ablehnung.

Christopher Radke vom St. Pauli-Museum betont, wie wichtig es ist, sich mit der Vereinsgeschichte auseinanderzusetzen, um die Gefahren von Faschismus und Rechtsextremismus zu erkennen. Die NDR-Dokumentation thematisiert deshalb auch unbequeme Fragen zur Verantwortung des Vereins und seinem „braunen Erbe“.

Aufarbeitung der Geschichte

Auf dem Weg zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte des Vereins arbeitet das FC St. Pauli Museum seit Anfang 2022 intensiv an der Aufarbeitung. Maren Degener von den Hamburger Gedenkstätten hebt hervor, dass der Fußball stark vom Nationalsozialismus geprägt war. 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung und ihre Fußballvereine verboten, was dazu führte, dass viele große Hamburger Vereine, einschließlich des FC St. Pauli, sich früh von jüdischen Mitgliedern trennten.

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Für viele Teilnehmer der Stadtführung, die am Stadthaus in Hamburg beginnt – dem ehemaligen Sitz der Hamburger Polizei bis 1943 – bietet sich somit die Gelegenheit, neue Informationen über die Vergangenheit des Vereins im Dritten Reich zu gewinnen. Viele der Teilnehmer sind leidenschaftliche Fußballfans, wobei ein Teil der Aufarbeitung die Erinnerung an Otto Wolf, ein ehemaliges Mitglied des FC St. Pauli und Mitglied der NSDAP, einschließt. Wolf war für die Arisierungen zuständig und wurde bis in die frühen 90er Jahre vom Verein mit einer goldenen Ehrennadel geehrt. Überraschenderweise erfuhren die Teilnehmer, dass der Hamburger SV als offenerer und internationaler Verein gilt und bereits früher mit der Aufarbeitung seiner jüdischen Vergangenheit begann. Deutschlandfunk berichtet, dass …