Heute ist der 5.05.2026 und wir blicken auf ein Thema, das nicht nur den FC St. Pauli, sondern auch die gesamte Gesellschaft beschäftigt: die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die neue Dokumentation „Sportclub Story – Vom Hakenkreuz zum Totenkopf – Der FC St. Pauli und seine Geschichte“ von Katrin Hafemann und Marie Theresa Lassere beleuchtet die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte. In eindringlicher Weise wird aufgezeigt, wie der FC St. Pauli, der heute als Symbol für Antifaschismus und Toleranz gilt, in der Vergangenheit mit seiner eigenen Geschichte umging. Es geht um Selig Cahn, einen jüdischen Spieler, der 1942 deportiert und ermordet wurde, und um die schwierigen Fragen der Verantwortung, die sich dem Verein in Bezug auf sein „braunes Erbe“ stellen.
Die Doku ist nicht nur in der ARD-Mediathek und beim NDR im Dritten zu finden, sondern wird auch am Montag, den 18. Mai, um 23.50 Uhr in der Reihe „ARD History“ im linearen Programm des Ersten ausgestrahlt. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist schließlich ein Prozess – und der FC St. Pauli hat seit den 1980er-Jahren viel dazu beigetragen, sich nicht nur durch sportliche Erfolge, sondern vor allem durch eine einzigartige Fankultur und ein starkes politisches Selbstverständnis einen Namen zu machen.
Ein Verein im Schatten der Geschichte
Was viele nicht wissen: Der FC St. Pauli wird als „Mitläuferverein“ beschrieben, der von der nationalsozialistischen Politik profitierte. In den 20er und frühen 30er Jahren wurde der Verein für seine „vorbildliche Jugendarbeit“ gelobt – allerdings nur mit deutschen Spielern. Die sozialistische Arbeitersportbewegung wurde 1933 verboten, und große Hamburger Vereine, einschließlich des FC St. Pauli, trennten sich oft frühzeitig von jüdischen Mitgliedern. Selig Cahn war einer von ihnen, der 1933 aufgrund seiner jüdischen Abstammung aus dem Verein ausgeschlossen wurde und später während der Novemberpogrome 1938 verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurde.
Ein weiterer düsterer Aspekt ist die Ehrung von Otto Wolf, einem ehemaligen Mitglied des FC St. Pauli, der Mitglied der NSDAP und der SS war und für die Arisierungen zuständig war. Bis in die frühen 90er Jahre wurde er vom Verein mit einer goldenen Ehrennadel geehrt, die ihm 2010 aberkannt wurde. Diese Geschichten sind Teil der Aufarbeitung, die das FC St. Pauli Museum seit Anfang 2022 vorantreibt, um die jüdische Geschichte des Vereins zu beleuchten.
Die Fans und ihr Engagement
Die Fans des FC St. Pauli haben eine ganz eigene Rolle in dieser Geschichte. In den 1990er-Jahren erlebte der Fan Nazim Evren einen Wendepunkt, als ein türkischer Freund im Stadion rassistisch angegriffen wurde. Die Reaktion der Fans war bemerkenswert: Sie stellten sich gegen Neonazis und verdrängten diese von den Tribünen. So wurde der Verein zu einem Symbol für Antifaschismus und gesellschaftliches Engagement – ein Schritt, der in der heutigen Zeit wichtiger denn je ist.
Das Stadion, einst Wilhelm-Koch-Stadion, war in den 90er Jahren ein weiterer Punkt der Auseinandersetzung. Nach Bekanntwerden von Kochs NSDAP-Mitgliedschaft gab es Widerstand, und Aktivist Ronny Galczynski forderte eine Umbenennung. Die Reaktion auf seine Forderung war jedoch von heftiger Ablehnung geprägt. Dennoch zeigt die Doku auf, dass es wichtig ist, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Christopher Radke vom St. Pauli-Museum bringt es auf den Punkt: Nur so können wir die Gefahren von Faschismus und Rechtsextremismus erkennen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Stadtführungen, die mittlerweile angeboten werden, um die Geschichte des FC St. Pauli im Dritten Reich aufzuarbeiten, erfreuen sich großer Beliebtheit. Teilnehmer, viele davon FC St. Pauli-Fans, sind oft überrascht, dass der Hamburger SV als offenerer und internationaler Verein galt und früher mit der Aufarbeitung seiner jüdischen Vergangenheit begann. Diese Entdeckungen laden dazu ein, nicht nur die eigene Vereinsgeschichte zu reflektieren, sondern auch das gesellschaftliche Engagement in der heutigen Zeit neu zu denken.
So bleibt der FC St. Pauli nicht nur ein Fußballverein, sondern ein Symbol für eine lebendige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und für ein starkes, gemeinschaftliches Engagement in der Gegenwart. Fußball kann mehr sein als nur ein Spiel – hier wird Geschichte lebendig!