Ein ganz besonderes Ereignis steht vor der Tür: Der FC St. Pauli lädt am kommenden Wochenende zu einem Heimspieltag der Blindenfußball-Bundesliga ein! Ein Blick auf die Mannschaft und ihre Geschichte zeigt, wie viel Herzblut in diesem Sport steckt. Wolf Schmidt, ein 60-jähriger engagierter Fußballenthusiast, hat die Blindenfußballabteilung des Vereins maßgeblich aufgebaut. Seit 20 Jahren existiert diese Abteilung und wird bald im Vereinsmuseum des FC St. Pauli mit einer Ausstellung geehrt.

Am Samstag um 18:30 Uhr tritt der FC St. Pauli gegen MTV Stuttgart an, gefolgt von einem weiteren spannenden Match am Sonntag gegen den 1. FC Köln um 14 Uhr. Die Mannschaft hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Der fünfte Gewinn der Deutschen Meisterschaft steht auf der Agenda. Doch nicht nur die sportlichen Erfolge sind wichtig, Schmidt möchte auch den Blindenfußball aus seinem Exotenstatus herausholen und Vorurteile abbauen. Diese sind vor allem bei sehbeeinträchtigten Menschen verbreitet, die oft Bedenken haben, mit einem Rasselball zu spielen.

Inklusion und Gemeinschaft

Ein weiteres Highlight in der Welt des Blindenfußballs war der „Sporttag inklusiv“ im Hamburger Stadtpark, organisiert vom Hamburger Sportbund und dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband. Bei angenehmem Wetter konnten Besucher verschiedene Sportarten ausprobieren und das Blindenfußball-Abzeichen erwerben. Dabei wurde nicht nur das Dribbling, Passspiel und der Penalty-Torschuss getestet, sondern auch die Perspektive der Blindenfußballer durch das Tragen von Dunkelbrillen hautnah erfahren. Besonders beeindruckend war Serdal Celebi, ein blinder Feldspieler, der als Torhüter agierte und blinden Torhütern das Halten des Balls ermöglichte. Sein Sohn spielte erstmals mit Dunkelbrille – ein rührender Moment für die ganze Familie.

Zusätzlich zur sportlichen Betätigung fand eine Premiere statt: Sechs Spieler*innen der Hamburg Allstars und sechs Spielerinnen des Ärzteteams des UKE spielten verdunkelt mit einem Rasselball. Ein Tor zum 4:5-Anschlusstreffer, erzielt von Celebi, wurde von 3500 Zuschauern euphorisch bejubelt. Und das ist noch nicht alles – die nächste Veranstaltung, das „Active City Festival“, findet am 9. September im Wilhelmsburger Inselpark statt.

Die Herausforderungen im Blindenfußball

Die Abteilung beim FC St. Pauli steht allerdings auch vor Herausforderungen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, benötigt die Blindenfußballmannschaft ein jährliches Budget von rund 60.000 Euro für den Spielbetrieb in der Bundesliga. Die Abteilungen sind selbstverwaltet, wenn es um Förderung und Sponsorensuche geht. Aktuell trainiert die Mannschaft dreimal wöchentlich am Borgweg, doch ein geplanter Neubau des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte könnte die Trainingsbedingungen vorübergehend beeinträchtigen.

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Ein weiteres Problem sind die Personalsorgen. Sehende werden als Torhüter, Guides und Assistenten benötigt, um den Spielern bestmögliche Unterstützung zu bieten. Doch die Eins-gegen-eins-Turniere, die im März in Hamburg und Düsseldorf stattfanden, haben der Abteilung Zulauf beschert. Das Team denkt sogar darüber nach, ein zweites Leistungsteam sowie eine Flüchtlingsmannschaft aufzustellen.

Inklusion im Fußball

Inklusion ist ein zentraler Aspekt im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Hier wird die Förderung des Handicap-Fußballs in der Satzung verankert. Wettbewerbe und Veranstaltungen für Menschen mit Behinderungen stehen auf der Agenda, ebenso wie Qualifizierungsmaßnahmen für Vereinsmitarbeiter. Das Ziel ist klar: Jeder Mensch soll dazugehören, unabhängig von Aussehen, Sprache oder Behinderung. Vereine wie der FC St. Pauli, aber auch Borussia Dortmund oder Schalke 04 setzen sich aktiv für die Integration von Menschen mit Handicap ein.

Die Blindenfußball-Bundesliga, die seit 2008 von der Sepp-Herberger-Stiftung organisiert wird, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Menschen – sowohl mit als auch ohne Behinderung – finden den Weg auf die Plätze. Und das ist doch genau das, was wir uns wünschen: Ein offenes, inklusives Miteinander, das Raum für alle bietet. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Zuschauerzahlen weiterhin steigen und der Blindenfußball aus seiner Nische herauswächst. Das wäre nicht nur ein Gewinn für die Spieler, sondern für uns alle.