Ein Cold-Case-Prozess um den Mord an einer Transperson, der sich vor 43 Jahren in Hamburg ereignete, sorgte am Hamburger Landgericht für Aufsehen. Der Angeklagte wurde kurz nach dem Verbrechen, das 1983 geschah, festgenommen, als er mit einer Smith & Wesson auf ein Schaufenster schoss. Trotz der Sicherstellung der Waffe kam es zu erheblichen Pannen während der Ermittlungen. So wurde die Waffe nicht mit dem Geschoss abgeglichen, das neben der Leiche der 41-jährigen Transperson entdeckt wurde, die in ihrem Wohnwagen in Hammerbrook aufgefunden wurde. Besonders brisant: Der Verbleib der Pistole ist bis heute unklar, sie gilt als verschwunden.
Ein Waffensachverständiger konnte zwar bestätigen, dass Waffe und Geschoss prinzipiell zusammenpassen, eine eindeutige Zuordnung zur Mordwaffe blieb jedoch aus. Erst Jahrzehnte später stieß die Polizei durch alte DNA-Spuren auf den Angeklagten, der im November letzten Jahres in Finkenwerder verhaftet wurde. Die DNA-Spuren, die bereits 1983 am Tatort gesichert worden waren, wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet. Der Angeklagte bestreitet die Tat vehement.
Prozessverlauf und Beweislage
Der Prozess wird aktuell von Vorsitzendem Richter Rainer Drees geleitet, der am vergangenen Freitag seine Bedenken äußerte, dass die Entscheidung zur Anklage auf lediglich drei Beweisanzeichen basiere und fast ausschließlich Aktenlage beruhe. Der Richter forderte die Verteidigerin auf, mit ihrem Mandanten über eine mögliche Einlassung zu sprechen, wobei er betonte, dass es ihm nicht darum gehe, den Angeklagten „ins Messer laufen zu lassen“. Drees kommt zu der Einschätzung, dass es „eher unwahrscheinlich“ sei, dass jemand anderes als der Angeklagte das Verbrechen begangen habe. Er verwies zudem darauf, dass am Tatort Fingerabdrücke und DNA-Spuren des Angeklagten „tatzeitnah“ hinterlassen worden sein sollen, was die Beweislage komplizierter macht.
Ein Zeuge will sogar gehört haben, dass der Angeklagte die Tat später eingeräumt habe. Der Prozess wird voraussichtlich am 13. April fortgesetzt, damit weitere Beweise besprochen und Zeugen befragt werden können.
Ein erweitertes Bild
In einem interessantem Zufall wurde der Angeklagte im Zusammenhang mit einem separaten Vorfall in Finkenwerder verhaftet, da er 1983 einen Blumenhändler erschossen haben soll. Dies lässt vermuten, dass die Polizei in mehreren älteren Ermittlungsfällen aktiv ist, um Gerechtigkeit herzustellen. Zum Beispiel haben Behörden jüngst auch Öffentlichkeitsarbeit zum Fall eines verschwundenen Mädchens betrieben, in dem sie Smoothie-Flaschen und ein Plakat am Winterhuder Marktplatz platzierten.
Die Aufmerksamkeit, die dieser Cold-Case-Prozess auf sich zieht, zeigt, wie lange die Schatten der Vergangenheit über die Gegenwart reichen können. Der Umgang der Polizei mit dem ursprünglichen Fall wirft nicht nur Fragen zur Effizienz der Ermittlungen auf, sondern auch zur Behandlung von Opfern, die oft aus den unterschiedlichsten Gründen in der Gesellschaft marginalisiert wurden.
Ob der Angeklagte schließlich verurteilt werden kann, bleibt abzuwarten, denn die Zweifel und die unklare Beweislage könnten die Entscheidung des Gerichts maßgeblich beeinflussen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich der Fall weiterentwickelt. Weitere Details finden sich in den Berichten von NDR und WDR.