Die Nutrias, auch als Biberratten bekannt, sind seit nahezu einem Jahrzehnt in Hamburg auf dem Vormarsch. Die in Südamerika heimischen Nagetiere breiten sich rasant aus und mittlerweile haben sie das gesamte Stadtgebiet erobert – von der Alster bis zu den weitläufigen Vierlanden. Doch das sorgt bei Anwohnern, vor allem im Bezirk Bergedorf, für zunehmende Besorgnis, denn die Tiere graben sich durch Deiche und fressen Schilf an Flussläufen. Diese Verhaltensweisen könnten potenziell Schäden an den Deichanlagen und Uferböschungen verursachen. Das Bezirksamt beschreibt die Situation als „durchaus problematisch“ für den Hochwasserschutz und die natürliche Umwelt. Laut NDR wurden im Jagdjahr 2024/25 in Hamburg mehr als 3.500 Nutrias erlegt – ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu nur einigen Hundert vor fünf Jahren.
Aber die Wellen schlagen hoch: Die Grünen stehen hinter einer anderen Strategie und fordern die Sterilisation der Nutrias als einen humaneren Ansatz. Dies würde etwa zehn Euro pro Tier kosten. Sie behaupten, dass der Abschuss nicht nur ineffektiv ist, sondern die Geburtenrate sogar ankurbeln könnte. Eine Sichtweise, die durch ein Gutachten unterstützt wird, das besagt, dass Nutrias bislang keinen nachgewiesenen Schaden an Hamburgs Deichen verursacht haben.
Der Anstieg der Nutria-Population
Die Verbreitung von Nutrias ist nicht nur ein Hamburger Phänomen. In Deutschland weiten die Nagetiere ihren Lebensraum zunehmend in städtische Gebiete aus. Eine Studie zeigt, dass 2023 in 35% der untersuchten Jagdreviere Nutrias nachgewiesen wurden, was eine Verdopplung seit 2015 bedeutet. In Hamburg selbst beträgt die Anwesenheit sogar 74%, wie die Tagesschau berichtet. Unerlaubte Fütterung, klimatische Vorteile und jagdliche Einschränkungen haben zur Ansiedlung beigetragen.
Besonders problematisch ist die Grabungsaktivität der Nutrias, die Tunnel in Uferböschungen und Deiche anlegen, was den Hochwasserschutz gefährden kann. Ihr Fressverhalten wiederum hat nicht nur Auswirkungen auf die Schilfpopulation, sondern auch auf andere Tierarten. Diese schilffreien Flussläufe stellen einen Rückgang der Artenvielfalt dar, denn Schilfgebiete sind wichtige Lebensräume für viele Insekten, Amphibien, Fische und Vögel.
Maßnahmen zur Bekämpfung
Die Debatte über den Umgang mit Nutrias führt zu unterschiedlichen Ansichten in der Gesellschaft. Der Deutsche Jagdverband fordert die Aufnahme der Nutria in das Bundesjagdgesetz und ein Bekenntnis zur Fangjagd. In vielen Bundesländern gibt es bereits spezielle Jagdzeiten oder Sondergenehmigungen für diese Tiere. Interessant ist, dass nicht alle Reviere mit Nutria-Vorkommen gravierende Probleme haben. Die Deutsche Wildtier Stiftung schätzt den ökologischen Schaden durch Nutrias im Vergleich zu anderen gebietsfremden Arten als relativ niedrig ein.
Trotz der steigenden Zahl der erlegten Tiere bleibt die Frage, wie Hamburg langfristig mit dem Nutria-Problem umgehen will. Ist die Sterilisation der nachhaltigere Weg oder bleibt die Jagd der einzige Ausweg? Die Diskussion bleibt spannend und die Verantwortlichen sind gefordert, eine Lösung zu finden, die sowohl Tiere als auch Umwelt respektiert.