In den letzten Jahren hat sich die Situation in Hamburg, insbesondere im Bezirk Bergedorf, zunehmend zugespitzt. Die Nutrias, eine invasive Nagetierart aus Südamerika, breiten sich seit fast zehn Jahren in der Hansestadt aus. Die Tiere, die sich mittlerweile über das gesamte Stadtgebiet von der Alster bis in die Vierlande erstrecken, sorgen bei den Anwohnern für Besorgnis, insbesondere aufgrund möglicher Schäden an Deichen und Uferböschungen. Die Ausbreitung der Nutrias wird vom Bezirksamt als „durchaus problematisch“ eingestuft, was die Sorgen der Bürger nur verstärkt.
Im Jagdjahr 2024/25 wurden in Hamburg mehr als 3.500 Nutrias erlegt, was im Vergleich zu nur einigen Hundert fünf Jahre zuvor einen dramatischen Anstieg darstellt. Um den Bestand zu kontrollieren, dürfen die Tiere gejagt werden, und seit August 2023 wurden bereits 7.300 Schwanzprämien für erlegte Nutrias ausgezahlt, jeweils 14 Euro pro Tier. Dennoch fordern die Grünen eine humanere Lösung: die Sterilisation der Nutrias, die etwa zehn Euro pro Tier kosten würde. Sie argumentieren, dass der Abschuss die Population nicht ausreichend eindämmt und die Geburtenrate der Tiere sogar erhöhen könnte.
Die Ausbreitung und ihre Folgen
Die Nutrias graben sich durch Deiche und fressen Schilf an Flussläufen, was nicht nur den Hochwasserschutz gefährdet, sondern auch den Lebensraum anderer Tierarten bedroht. Ein Gutachten hat zwar ergeben, dass Nutrias bislang keinen nachgewiesenen Schaden an Hamburgs Deichen verursacht haben, doch die Verbreitung der Tiere in Wandsbek und Hamburg-Nord lässt die Frage aufkommen, ob diese Region ebenfalls betroffen ist.
In Deutschland ist die Situation alarmierend: 2023 wurden Nutrias in 35% der untersuchten Jagdreviere nachgewiesen, was eine Verdopplung seit 2015 darstellt. Die Ursachen für die Häufung in städtischen Gebieten sind vielfältig: unerlaubte Fütterung, klimatische Vorteile und jagdliche Einschränkungen spielen dabei eine große Rolle. Während in Nordrhein-Westfalen bereits 60% der Jagdgebiete von Nutrias besiedelt sind, liegt die Quote in Niedersachsen bei 55% und in Sachsen-Anhalt bei 50%.
Ökologische und soziale Herausforderungen
Das Fressverhalten der Nutrias führt zu schilffreien Flussläufen, was negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat, da Schilfgebiete wichtige Lebensräume für Insekten, Amphibien, Fische und Vögel bieten. Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt ebenfalls vor den Gefahren, die von Nutrias ausgehen, insbesondere für den Hochwasserschutz. Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert zudem die Aufnahme der Nutria in das Bundesjagdgesetz und ein Bekenntnis zur Fangjagd.
Die Problematik ist also nicht nur lokal, sondern hat auch bundesweite Dimensionen. In Bremen etwa wurde eine Anwesenheit von Nutrias in 93% der Reviere gemeldet, was eine Steigerung um das Sechsfache seit 2015 darstellt. Der ökologische Schaden durch Nutrias wird im Vergleich zu anderen gebietsfremden Arten als niedriger eingeschätzt, aber die Herausforderungen, die sie mit sich bringen, sind nicht zu unterschätzen.
In Anbetracht der aktuellen Situation bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Nutria-Population in den Griff zu bekommen, ohne dabei die Umwelt und die Lebensqualität der Anwohner zu gefährden. Der Dialog zwischen Anwohnern, Behörden und Naturschutzorganisationen wird entscheidend sein, um einen Weg zu finden, der sowohl den Tierschutz als auch den Hochwasserschutz berücksichtigt.