In Bergedorf tut sich was: Ein neues städtebauliches Konzept steht in den Startlöchern, das frischen Wind in die Innenstadt bringen soll. Der Bezirk kommt damit dem Ziel entgegen, die Innenstadt attraktiver zu gestalten und Leerständen entgegenzuwirken. Angesichts sinkender Auslastungen von Einrichtungen wie dem Parkhaus in der Schloßstraße und Hotelbetrieben wurde bereits 2020 in der Bezirksversammlung ein mehrstufiges Vorgehen zur Neugestaltung beschlossen, um die Zukunftsfähigkeit des Viertels zu sichern. Der erste Schritt in diesem Prozess war die Genehmigung eines Verfahrensvorschlags für ein städtebaulich-freiraumplanerisches Werkstattverfahren im Februar 2022, das zwischen Juni und November desselben Jahres stattfand. Laut hamburg.de wurde am 16. November 2022 der Siegerentwurf von B99 Architekten BDA und Bruun & Möllers ausgewählt. Dieser sieht den Bau von drei fünfgeschossigen Gebäuden mit gemeinschaftlichem Hof vor.
Im Rahmen dieser Initiativen sind auch wichtige Überlegungen zu den künftigen Nutzungsmöglichkeiten angestellt worden. So umfasst das Konzept etwa 75 bis 80 Wohneinheiten in den oberen Geschossen, während im Erdgeschoss Einzelhandel und Gastronomie Platz finden sollen. Darüber hinaus ist die Errichtung einer Quartiersgarage mit circa 150 Stellplätzen für Autos sowie bis zu 300 Stellplätzen für Fahrräder und Lastenräder geplant.
Umgestaltung der Innenstadt
Die Umgestaltung der Bergedorfer Schloßstraße, des Vinhagenwegs sowie Teile der Chrysanderstraße gehören ebenso zu den Plänen. Eine umfassende Funktionsplanung, die eine wesentliche Grundlage für die weitere Entwicklung darstellt, wurde am 10. Januar 2024 dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Das Verkehrssicherheits- und Aufenthaltsqualität konzipierte entlastet den Stadtteil und bietet Raum für neuartige Nutzungsmöglichkeiten. Der Beschluss, auf ein separates hochbauliches Wettbewerbsverfahren zu verzichten, um die Prozesse zu beschleunigen, fiel am 4. September 2024. Die Ergebnisse der Funktionsplanung werden dabei in das Verfahren zur Änderung des Planrechts einfließen, um die Umsetzung so schnell wie möglich voranzutreiben.
Das Konzept zur Neugestaltung der Innenstadt geht über bloße Bauvorhaben hinaus. Es zielt auch darauf ab, die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit für die Bürger:innen erheblich zu erhöhen. Das zeigt auch das integrative Innenstadtkonzept, das am 27. August 2020 von der Bezirksversammlung beschlossen wurde. Es legt den Fokus auf die Entwicklungsperspektiven des Einzelhandels, Dienstleistungen und der Gastronomie, und trägt somit zur Belebung der Innenstadt bei. In mehreren Workshops, die von April 2022 bis Mai 2023 stattfanden, wurden wichtige Ideen und Konzepte erarbeitet, die eine Stärkung des Bergedorfer Zentrums versprechen. Dies erfolgt auch im Kontext von leerstehenden Kaufhäusern, von denen sich die Stadtverwaltung adäquate Nachnutzungskonzepte erwartet, um den Leerstand zu minimieren. Eine entsprechende Studie von PricewaterhouseCoopers zeigt, wie solche Herausforderungen am besten angegangen werden können.
Raus aus der Krise, rein in die Entwicklung
Wie in vielen Städten sind auch in Bergedorf die Auswirkungen der Coronapandemie spürbar gewesen, was die Notwendigkeit anpassungsfähiger Konzepte und Planungsprozesse unterstreicht. Der Handlungsbedarf zur integrierten städtebaulichen Entwicklung wurde in einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) festgestellt. Diese untersucht die Anforderungen an die Zentrenentwicklung in Krisenzeiten und bietet praxisnahe Handlungsempfehlungen zur positiven Veränderung von Stadtteilen. Die Herausforderungen in Bergedorf sind also nicht isoliert, sondern Teil eines größeren Trends, der eine städtebauliche Revitalisierung in zahlreichen deutschen Städten erfordert, wie in bbsr.bund.de beschrieben wird.
Das Bergedorfer Konzept sieht eine Kombination von öffentlichen und privaten Mitteln vor, um die Innenstadt zu beleben und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Akzeptanz von zukünftigen Maßnahmen wird dabei auch stark von der Einbindung der Bürger:innen abhängen. Dazu sind weitere Gespräche und Abstimmungen nötig, um sicherzustellen, dass die Vorstellungen und Bedürfnisse der Bergedorfer in die Planung mit einfließen können.
Das Ziel ist klar: Ein lebendiges, attraktives Zentrum, das sowohl Unterhaltung bietet, als auch Wohnraum schafft. Es bleibt spannend, welche weiteren Schritte die Verantwortlichen ergreifen werden, um Bergedorfs Innenstadt in die Zukunft zu führen.