Kampf der Einzelhändler: Das Mercado in Ottensen wird zum Geistermarkt
Heute ist der 2.07.2026 und in Ottensen brodelt es. Der Einzelhandel zeigt sich mal wieder von seiner dunklen Seite. Die Depot-Filiale im Mercado wird geschlossen – und das ist nicht nur ein weiteres trauriges Kapitel in der Geschichte von Deutschlands Einzelhandel, sondern ein echtes Warnsignal. Die traurige Realität ist, dass die deutschlandweite Insolvenz des Unternehmens zur Schließung von 66 Filialen führt, vier davon allein in Hamburg. Das große Aufräumen hat begonnen, und die leeren Flächen im Mercado sind der sichtbare Beweis dafür.
Christian Gries, der Geschäftsführer von Depot, führt die Schließungen auf verschiedene wirtschaftliche Gründe zurück. Zölle, die schleichende Konkurrenz durch den Online-Handel und nicht zuletzt eine allgemeine Kaufzurückhaltung der Verbraucher setzen dem Unternehmen mächtig zu. Von einst 400 Filialen in Deutschland sind nur noch 80 übrig. Ein harter Schlag für die 330 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren. Und das ist noch nicht alles: Auch die Jack Wolfskin-Filiale im Mercado wird nach den Sommerferien ihre Türen schließen. Zwar gibt es hier keine offizielle Insolvenz, aber die Umsatzeinbußen nach dem Verkauf an Anta Sports 2022 lassen nichts Gutes erahnen.
Die Situation im Mercado
Die Schließung der Depot-Filiale ist nicht die einzige, die Wellen schlägt. Im Mercado, einem der zentralen Einkaufsziele in Ottensen, stehen bald zwei Flächen leer. Center-Manager Sven Ebert bestätigt, dass bereits Gespräche zur Vermietung laufen. Doch die Sorgen der Anwohner und Geschäftsinhaber sind groß. In der Facebook-Gruppe „Ottensen Downtown“ diskutieren die Nutzer hitzig über die hohen Mieten im Einkaufszentrum. Es wird befürchtet, dass selbst gut laufende Geschäfte unter den Kosten leiden könnten. Ein Teufelskreis, der die lebendige Einkaufsatmosphäre bedroht.
Und dabei sind die Schließungen nicht nur auf Hamburg beschränkt. Überall in Deutschland kündigt Depot Filialschließungen an. Neben den Hamburger Standorten sind auch Filialen in Osdorf und Niendorf betroffen. Die genaue Planung ist unklar, aber die Räumungsverkäufe laufen bereits. In Cottbus wird die Schließung sogar schon am 27. Juli vollzogen. Das gibt den Mitarbeitern und Kunden ein Gefühl der Unsicherheit. Immer wieder stellt sich die Frage, was aus den über 1200 Beschäftigten wird. Das Gehalt ist zwar durch Insolvenzgeld gesichert, aber die Unsicherheit ist ein ständiger Begleiter.
Ein Blick auf die Insolvenzstatistik
Die aktuellen Zahlen zur Insolvenzstatistik in Deutschland zeigen ein besorgniserregendes Bild. 67.278 erfasste Veröffentlichungen, davon 33.652 Insolvenzen in den letzten 12 Monaten – das ist ein harter Brocken. Im Einzelhandel allein gab es 2.269 Insolvenzen, was einen Rückgang von 88% im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Dennoch führt Berlin mit 708 Insolvenzen, gefolgt von Hamburg mit 482. Die Lage ist angespannt und lässt aufhorchen.
Die Gründe für die Schließungen sind vielschichtig und spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen der Einzelhandel heute zu kämpfen hat. Die Diskussion um hohe Mieten, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und die Konkurrenz aus dem Internet tragen alle ihren Teil zur gegenwärtigen Krise bei. Wie es weitergeht? Das bleibt abzuwarten, aber eines ist sicher: Der Einzelhandel in Ottensen und darüber hinaus steht vor einer ungewissen Zukunft.
