Am 30. und 31. Mai 2026 wird Hamburg zum Schauplatz einer besonderen Initiative, die Geschichten von Verfolgten der NS-Diktatur lebendig werden lässt. Die Veranstaltung „Denk Mal Am Ort“ (DMAO) wird in diesem Jahr an 17 authentischen Orten stattfinden, an denen einst Menschen lebten, die unter dem nationalsozialistischen Regime litten. Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2016 von engagierten Bürgern, die ihre Wohnungen, Gärten oder Treppenhäuser öffnen, um die Flucht- und Verfolgungsgeschichten zu teilen. In Volksdorf wird es einen besonderen Höhepunkt geben: Am 30. Mai um 15 Uhr findet im Garten des Hauses Wulfsdorfer Weg 79 ein Vortrag mit musikalischen Einlagen und Gebärdendolmetschen statt, berichtet dasHamburger Abendblatt.
Ein zentraler Bestandteil der diesjährigen Veranstaltungen wird die Geschichte von Alfred Schär sein, einem Taubstummenlehrer und SPD-Vertreter, der sich dem NS-Regime widersetzte. Schär war nicht nur ein Gegner des Regimes, sondern engagierte sich aktiv im Internationalen Sozialistischen Kampfbund, bis er 1937 im KZ Fuhlsbüttel verhaftet wurde. Seine Geschichte ist ein eindringliches Beispiel für den Widerstand in einer dunklen Zeit, die heute wichtiger denn je zu erinnern ist. Auch andere Themen werden aufgegriffen: Beispielsweise wird das Schicksal von Eva Hesse thematisiert, die als Kind per Kindertransport nach Holland geschickt wurde und später zu einer bedeutenden Bildhauerin avancierte. Auch die Familie Warburg und die „Kinder von Blankenese“, jüdische Kinder, die den Holocaust überlebten, stehen auf dem Programm.
Erinnern ohne Zeitzeugen
Die Initiative DMAO zeigt ein wachsendes Interesse an der NS-Geschichte und regt die Bürger an, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dr. Eva Ursula Lindemann, Mitglied des Organisationsteams, betont, wie wichtig es ist, über die Zeitzeugen hinaus zu denken und Erinnerungsarbeit zu leisten, ohne direkt mit den Opfern in Kontakt zu sein. „Wir fragen uns, wie Erinnern ohne Zeitzeugen aussehen kann“, erklärt sie, und unterstreicht damit die Relevanz solcher Veranstaltungen in der heutigen Zeit.
Durch die Veranstaltungen von DMAO am Wochenende rund um den Jahrestag der Kapitulation wird nicht nur der Opfer gedacht, sondern auch ein Raum für Diskussion und Reflexion geschaffen. Die Geschichten, die in den Wohnungen und Gärten erzählt werden, wirken nicht nur informativ, sondern regen auch zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung an. Die Stadt Hamburg und ihre Bürger zeigen mit dieser Aktion, dass das Gedenken an die dunkle Vergangenheit auch eine Verantwortung für die Zukunft bedeutet.