In Bahrenfeld brodelt es gewaltig. Was einst als leuchtendes Beispiel für innovative Stadtentwicklung gefeiert wurde, hat sich mittlerweile in einen handfesten Skandal verwandelt. Die Rede ist vom „Zentrum für Ressourcen und Energie“ (ZRE), einem Großprojekt der Stadtreinigung Hamburg, das die Vision verfolgt, aus Hausmüll Wertstoffe zu filtern und dabei gleichzeitig Strom sowie Fernwärme zu erzeugen. Klingt doch nach einer tollen Idee, oder? Doch die Realität schaut ganz anders aus.

Ursprünglich sollten für das Projekt um die 234 Millionen Euro veranschlagt werden, mit einer Fertigstellung für 2023 – so die optimistischen Pläne. Jetzt, im Jahr 2026, sprechen wir von einer Kostenexplosion auf bis zu 750 Millionen Euro und einem Zeitverzug von etwa drei Jahren. Der Aufsichtsrat, der für die Kontrolle solcher Projekte zuständig sein sollte, hat anscheinend die Diskrepanz zwischen der Baustellenrealität und dem tatsächlichen Projektstand vollkommen übersehen. Das wirft Fragen auf – und zwar nicht nur über die Fachkenntnisse der Aufsichtsratsmitglieder, die mehrheitlich aus Behörden- und Arbeitnehmervertretern bestehen.

Management- und Kontrollversagen

Die neue Geschäftsführung hat die Missstände gleich nach ihrem Amtsantritt erkannt. Da fragt man sich, wie es sein kann, dass der Aufsichtsrat nicht informiert war – Kostensteigerungen entstehen schließlich nicht über Nacht, sondern schleichen sich über Monate oder sogar Jahre ein. Die Unkenntnis des Aufsichtsrats über die steigenden Kosten ist alarmierend. Sascha Mummenhoff, der Landesvorsitzende des Bund der Steuerzahler Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, äußert Bedenken über die Kontrolle des Senats über städtische Prestigeprojekte und kritisiert die mangelnde Transparenz bei Anfragen. Darf es wirklich so weit kommen, dass die Steuerzahler für die Fehler der Verantwortlichen bluten müssen?

Das ZRE, das auf dem Gelände der ehemaligen Müllverwertungsanlage Stellinger Moor errichtet wird, soll 10% der Fernwärmeversorgung Hamburgs abdecken. Aber so, wie es aussieht, ist es eher ein Prestigeprojekt, das aus den Fugen geraten ist. Aktuell gibt es keinen belastbaren Fertigstellungstermin, und die Bürger fragen sich: Wo bleibt denn jetzt die Verantwortung? Die Notwendigkeit, die Rollen der damaligen Geschäftsführung und des Ex-Umweltstaatsrats Michael Pollmann zu klären, ist dringlicher denn je.

Wissenschaftliche Erkenntnisse als Lösung?

Inmitten all des Chaos kommt eine neue Studie des Bundesverwaltungsamts (BVA) und der Technischen Universität Darmstadt ins Spiel, die sich mit Multiprojektmanagement (MPM) auseinandersetzt. Diese Studie könnte Licht ins Dunkel bringen. MPM wird als ganzheitliches Management von Projektlandschaften definiert, wobei die Abstimmung von Strategien, Strukturen und Prozessen im Vordergrund steht. Die Ergebnisse der Studie könnten entscheidend sein, um die Kontrolle über große Projekte wie das ZRE zu verbessern.

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Vor allem die Leistungskennzahlen, die den Erfolg im Multiprojektmanagement messen, zeigen, dass Organisationen mit klaren Strategien und definierten Rollen deutlich besser abschneiden. Top-Performer erreichen ihren geplanten Nutzen viel häufiger als Low-Performer. Vielleicht braucht es genau diese wissenschaftlichen Ansätze, um die Missstände in der öffentlichen Verwaltung zu beheben und den Bürgern zu zeigen, dass ihre Steuergelder nicht in einem schwarzen Loch verschwinden.

Die kritischen Stimmen werden lauter, und es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich die notwendigen Schritte einleiten, um solche Skandale in Zukunft zu verhindern. Denn wenn wir ehrlich sind, sind wir alle müde von den endlosen Geschichten über Kostenüberschreitungen und Zeitverzögerungen. Es ist Zeit, den Kurs zu ändern und die Kontrolle über unsere Projekte zurückzugewinnen.