Im Sommer 2023 jährt sich der Mord an Süleyman Taşköprü durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zum 25. Mal. Der 38-jährige türkische Kaufmann wurde am 27. Juni 2001 im Stadtteil Bahrenfeld erschossen. Mit diesem traurigen Jahrestag beschäftigt sich auch eine Forschungsgruppe, die von der Hamburger Bürgerschaft ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, die Umstände des Mordes zu beleuchten und zu verstehen, warum die Polizei mögliche rechtsextreme Täter ignorierte. Die Rolle des gesellschaftlichen Klimas in Hamburg zur Zeit des Verbrechens ist ebenfalls ein zentrales Anliegen der Untersuchungen, die vor wenigen Wochen laut Zeit kritisiert wurden.
Die Forschungsgruppe, geleitet von Juraprofessorin Charlotte Schmitt-Leonardy, gibt sich kämpferisch. Sie hatte sich vor kurzem an den Generalbundesanwalt gewandt und um Einsicht in Akten des Landeskriminalamts Hamburg gebeten, die jedoch abgelehnt wurde. Diese Entscheidung fiel kurz vor Weihnachten, und Schmitt-Leonardy bezeichnete die Begründung der Ablehnung als „gravierende Ermessensfehler“. In einer Zeit, in der Transparenz gefordert wird, verwies der Generalbundesanwalt auf rechtliche Bestimmungen und äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts steht noch aus, was die Forschungsgruppe Anlass zur Besorgnis gibt.
Ein Blick auf die NSU-Morde
Der Mord an Süleyman Taşköprü ist nur einer von vielen Fällen, die die rechtsextreme Gewalt in Deutschland kennzeichnen. In dieser Woche wurde ein neues Online-Portal vorgestellt, das über diese Problematik informiert und die Schicksale der Opfer sichtbar macht. Das Portal, erreichbar unter themenportal-rechtegewalt.de, bietet zahlreiche Recherchemöglichkeiten zu rechtsextremen Gewalttaten seit 1945. Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, betont die Wichtigkeit dieses Portals für die Dokumentation und Sensibilisierung zu rechtsextremistischen Entwicklungen, während Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, erklärt, dass das Portal die Opfer der NSU-Morde in die deutsche Erinnerungskultur integriert.
Zudem dokumentiert das neue Online-Angebot auch die juristische Verfolgung der Taten. In der ersten Stufe des Portals sind bereits Dossiers zu verschiedenen Themen bereitgestellt, darunter die Pogrome in Erfurt (1975), Rostock-Lichtenhagen (1992), sowie zwei NSU-Morde. Diese vielfältige Informationsquelle ist ein Schritt in die richtige Richtung, um das Bewusstsein für die dunkle Geschichte rechtsextremer Gewalt in Deutschland zu schärfen.
Wie die Forschungsgruppe zur Aufklärung des Mordes an Taşköprü zeigt, bleibt das Thema rechtsextreme Gewalt brandaktuell. Viele Fragen stehen im Raum, und für die Angehörigen der Opfer ist die Hoffnung auf Aufklärung oft mit Schmerzen verbunden. Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik muss weitergeführt werden, um sowohl die Taten als auch die Hintergründe besser zu verstehen und eine Wiederholung in der Zukunft zu verhindern.
In einer Zeit, die von Konflikten geprägt ist, bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen und die entschlossene Arbeit der Forschungsgruppe sowohl zur Aufklärung als auch zur Gerechtigkeit führen werden. Es liegt in unserer Hand, das Lehren aus der Vergangenheit in die Zukunft zu tragen.