Die Situation in Hamburg-Steilshoop ist besorgniserregend. Während es 2020 noch zehn Hausärzte in dem Stadtteil gab, ist die Zahl mittlerweile auf einen einzigen Arzt geschrumpft. Dabei handelt es sich um einen Kinderarzt, der in einem stark frequentierten und überlasteten Zentrum praktiziert. Laut Welt steht die hausärztliche Versorgung vor dem Kollaps, da rund 5.000 der insgesamt 19.000 Einwohner auf eine wohnortnahe medizinische Versorgung angewiesen sind.
Der stetige Rückgang der Hausärzte hat dramatische Folgen. Statistisch gesehen kommen in Hamburg im Durchschnitt etwa 1.400 Patienten auf einen Hausarzt. In Steilshoop droht nun bald das Sechsfache, was in der Folge die Qualität der medizinischen Betreuung weiter gefährdet. Laut einem Bericht von Sandro Kappe sind derzeit nur noch vier Vollzeitärzte im Stadtteil tätig, was die Herausforderungen für viele Anwohner extrem verstärkt.
Herausforderungen für die Bevölkerung
Die demografische Struktur in Steilshoop trägt zur Krise bei: Rund 60% der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, und bei den unter 18-Jährigen sind es sogar fast 80%. Dies bedeutet, dass viele Menschen nicht nur mit sprachlichen, sondern auch mit sozialen Barrieren konfrontiert sind, wenn es um den Zugang zur medizinischen Versorgung geht. Ältere Menschen und chronisch Kranke stehen vor dem Problem, dass der Weg zu anderen Praxen oft lang und mühsam ist. Besonders die Baustelle der neuen U-Bahnlinie U5 erschwert den Zugang zu Praxen in benachbarten Stadtteilen wie Bramfeld und Farmsen erheblich.
Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) meldet, dass umliegende Praxen bereits Patienten aus Steilshoop übernommen haben. Doch das ist nicht ausreichend, um den großen Bedarf zu decken. Es bleibt abzuwarten, wie die geplante Gesetzesänderung, die zu Honorareinschnitten von bis zu 30 % führen könnte, die bereits angespannte Lage weiter verschärfen wird.
Handlungsbedarf und Lösungsansätze
Politiker wie der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Sandro Kappe fordern sofortige Maßnahmen, um die medizinische Versorgung in Steilshoop zu sichern. Eine Möglichkeit könnte die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sein, das auch von Kommunen betrieben werden kann, wie in der Gemeinde Südheide in Niedersachsen erfolgreich umgesetzt. In Steilshoop könnte ein solches Konzept deutliche Verbesserungen bringen, um die wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Kappe schlägt zudem vor, eine Notfallpraxis in Form eines Containerbaus zu errichten, um während der Übergangszeit die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Die Gesundheitsversorgung ist ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge, und je nach Wohnort sind die Ansprüche und Erwartungen an die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen hoch. Wie im Bericht der Bundeszentrale für politische Bildung festgestellt, sind insbesondere ländliche und sozial schwache Gebiete oft unterversorgt. Innovative Ansätze, darunter Telemedizin und mobile Gesundheitsdienstleister, sind hier gefragt, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Die Pläne für ein neues Gesundheitszentrum in Steilshoop sind begrüßenswert, doch bis zur Fertigstellung wird es noch mehrere Jahre dauern. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass jetzt gehandelt wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Bevölkerung in Steilshoop die medizinische Versorgung bekommt, die sie dringend benötigt.