Hamburg zieht mit einer bemerkenswerten Initiative alle Aufmerksamkeit auf sich: Kultursenator Carsten Brosda hat die strukturelle Förderung für unabhängige Verlage in der Hansestadt angekündigt. Ab sofort stehen jährlich 700.000 Euro bereit, um die Vielfalt der Verlagslandschaft zu bewahren. Etwa 40 Verlage könnten von dieser wegweisenden Förderung profitieren, die Hamburg als erstes Bundesland in Deutschland einführt. „Wir haben erkannt, wie wichtig diese Verlage für unseren kulturellen Diskurs sind“, so Brosda.

Die neue Förderung soll nicht nur helfen, die Herausforderungen zu meistern, mit denen insbesondere kleinere Verlage konfrontiert sind, sondern auch neue Perspektiven in die Literatur zu bringen. Denn viele dieser unabhängigen Verlage kämpfen unter erheblichem Kostendruck und haben oft nur begrenzte Marketingbudgets. Experten zufolge stehen kleine Verlage und deren Autoren immer wieder unter Druck, während sich die Buchbranche durch Veränderungen im Kaufverhalten und die Dominanz großes Verlage wandelt.

Förderung für Vielfalt

Die Bedingungen, um von dieser Förderung zu profitieren, sind klar umrissen: Die Verlage müssen seit mindestens drei Jahren in Hamburg ansässig sein, einen Jahresumsatz von unter zwei Millionen Euro machen sowie jährlich mindestens drei Bücher veröffentlichen. Der Großteil ihres Umsatzes sollte zudem aus literarischen Angeboten stammen. Die Fördersummen reichen von 10.000 bis 25.000 Euro pro Verlag. Katharina Eleonore Meyer, Inhaberin des renommierten Merlin Verlags, sieht in dieser Initiative ein starkes Signal für die Gesellschaft und betont die Wichtigkeit dieser Unterstützung.

Die Hamburger Unterstützung kommt nicht von ungefähr. Sie ist Teil eines größeren Trends in der Buchbranche, die insgesamt unter Druck steht. Die Kurt Wolff Stiftung und der Börsenverein des deutschen Buchhandels setzen sich seit Jahren für eine strukturelle Verlagsförderung ein. Der Verlagskonzern wächst durch Übernahmen, was oft zu einer Marktkonzentration führt. So haben 2018 bereits 79 Prozent aller Verlagsumsätze nur 40 große Verlage generiert, die lediglich zwei Prozent aller Verlage ausmachten.

Hoffnung auf Signalwirkung

Volker Petri, Geschäftsführer des Börsenvereins Nord, hat die Hoffnung geäußert, dass die Hamburger Förderung auch eine Signalwirkung für den Bund und andere Bundesländer entfaltet. Denn die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag bereits die Prüfung einer strukturellen Verlagsförderung angekündigt, jedoch stehen die Ergebnisse noch aus. Trotz stagnierender Umsätze und rückläufiger Buchkäuferzahlen zwischen 2011 und 2020 ist die Nachfrage nach Büchern, besonders bei Jugendlichen, weiterhin hoch.

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„Die Buchbranche ist ein bedeutender Teil der Kreativwirtschaft und macht 9 bis 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus“, sagt ein Sprecher des Börsenvereins. Aktuell fließen rund vier Millionen Euro jährlich vom Bund in die Branche, wobei ein erheblicher Teil als Preisgelder ausgeschüttet wird. Die anhaltende Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten ist daher nicht nur begrüßenswert, sondern essentiell für die Zukunft der Kultur und Literatur in Deutschland.

Wie die Hamburger Initiative zeigt, gibt es tatsächlich Möglichkeiten, die Unabhängigkeit der Verlage zu sichern und den literarischen Diskurs zu bereichern. Bleibt abzuwarten, ob auch andere Städte und Bundesländer diesem Beispiel folgen werden.