In Hamburg, der Stadt, die niemals schläft, gibt es frische Neuigkeiten aus der Verlagswelt. Kultursenator Carsten Brosda hat ein starkes Zeichen gesetzt und eine strukturelle Förderung für unabhängige Verlage angekündigt. Ab sofort fließen jährlich 700.000 Euro in die Kassen von etwa 40 Verlagen in der Hansestadt. Damit ist Hamburg das erste Bundesland, das eine solche Förderung ins Leben ruft. Das Ziel? Die Vielfalt innerhalb der Verlagslandschaft zu bewahren und den unabhängigen Stimmen Gehör zu verschaffen.

Die Förderanträge können von Verlagen eingereicht werden, die seit mindestens drei Jahren in Hamburg ansässig sind, weniger als zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften, jährlich mindestens drei Bücher veröffentlichen und den Großteil ihres Umsatzes mit Literatur generieren. Die Beträge reichen von 10.000 bis 25.000 Euro pro Verlag und Förderrunde – das ist doch mal ein Wort! Brosda hebt hervor, wie wichtig unabhängige Verlage für den Diskurs und die Schaffung neuer Perspektiven sind. Gerade in Zeiten, in denen kleinere Verlage oft unter Kostendruck stehen und ihre Marketingbudgets schmal bemessen sind, ist diese Förderung ein willkommener Schub.

Ein starkes Signal für die Gesellschaft

Katharina Eleonore Meyer, die Inhaberin des Merlin Verlags, sieht die Förderung als ein starkes Signal für die Gesellschaft. Hier wird klar: Es geht nicht nur um Bücher, sondern um die Stimmen, die hinter diesen stehen. Volker Petri, Geschäftsführer des Börsenvereins Nord, hat die Hoffnung, dass diese Initiative auch auf Bundesebene und in anderen Ländern Nachahmer findet. Denn die Buchbranche hat es nicht leicht – und das nicht nur in Hamburg.

Die Buchindustrie steht unter Druck, sowohl unabhängige als auch etablierte Verlage sind betroffen. Am 16. Oktober 2024 wird Kulturstaatsministerin Claudia Roth auf der Frankfurter Buchmesse den deutschen Verlagspreis an 84 konzernunabhängige Verlage verleihen – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Der Preis, der mit mindestens 18.000 Euro dotiert ist, ist Teil einer strukturellen Verlagsförderung, die 2019 ins Leben gerufen wurde und jährlich mit rund 10 Millionen Euro unterstützt wird.

Der Kampf um Sichtbarkeit

In der Zwischenzeit kämpfen kleinere unabhängige Verlage mit veränderten Einkaufsmodellen und schwindender Sichtbarkeit. Laut dem Börsenverein gab es von 2011 bis 2020 einen Rückgang der Buchkäuferzahlen um 8,1 Millionen. Das ist schon eine Hausnummer! Trotzdem zeigen sich auch positive Trends, wie die steigende Buchnachfrage bei Jugendlichen. Der Kulturpass für 18-Jährige hat bereits 130.000 Registrierungen erreicht, aber das Budget für 2024 wurde leider halbiert – auch hier ist noch Luft nach oben.

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Die Buchbranche macht 9 bis 10 Prozent des Gesamtumsatzes der Kreativwirtschaft aus, und die Bundesregierung hat eine Prüfung zur strukturellen Verlagsförderung im Koalitionsvertrag vereinbart. Doch bislang gibt es keine klaren Ergebnisse. Die Kurt Wolff Stiftung und der Börsenverein setzen sich für die Belange der Verlage ein, während Verlagskonzerne immer wieder kleinere Verlage aufkaufen, was zu einer besorgniserregenden Konzentration führt. 2018 erwirtschafteten 79 Prozent aller Verlagsumsätze nur 40 große Verlage, die lediglich 2 Prozent aller Verlage ausmachten. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass unabhängige Stimmen weiterhin Gehör finden.

Die Unterstützung für diese Verlage ist mehr als nur ein finanzieller Zuschuss. Es ist eine Investition in die kulturelle Vielfalt, die uns alle bereichert. Und in Zeiten, in denen die Konzentration in der Branche zunimmt, ist es unerlässlich, dass wir diese Stimmen hören und die Vielfalt der Literatur bewahren.