In Hamburg sorgen tragische Unfälle im Straßenverkehr für zunehmende Besorgnis – besonders die steigende Zahl an tödlichen Fahrradunfällen. Erst kürzlich, vor knapp zwei Wochen, kam es zu einem tödlichen Vorfall, als ein 11-Jähriger auf seinem Rad von einem Lkw überfahren wurde. Der Schock und die Trauer sind tief in der Stadt verwurzelt. Nur zwei Tage nach diesem schrecklichen Ereignis wurden die Bürgerinnen und Bürger erneut mit der traurigen Nachricht konfrontiert: Ein 53-Jähriger wurde ebenfalls tödlich überrollt. Damit hat Hamburg in diesem Jahr bereits den dritten getöteten Radfahrer zu beklagen. Die Entwicklung ist alarmierend und wird nicht nur in Hamburg, sondern auch weltweit beobachtet, denn die Zahl der getöteten Radfahrer steigt seit Jahren an, wie taz.de berichtet.
Diese besorgniserregende Situation hat die Gemeinschaft mobilisiert. Der Fahrradclub ADFC trat in Aktion und organisierte eine Mahnwache in Wilstorf, dort wo der 11-Jährige starb. Mit etwa 800 Teilnehmern wurde ein starkes Zeichen der Anteilnahme gesetzt. Dirk Lau vom ADFC äußerte sich nachdenklich und hob hervor, dass zwar eine große Bürgerbeteiligung zu beobachten sei, die politischen Reaktionen jedoch in Hamburg noch ausstehen. Ein Arbeitskreis beim ADFC befasst sich zudem mit der steigenden Belastung der Organisatoren solcher Mahnwachen, da immer wieder schreckliche Unfälle stattfinden.
Politische Reaktionen und geforderte Maßnahmen
Angesichts der wachsenden Bedenken bezüglich der Verkehrssicherheit in Hamburg hat Anjes Tjarks, der grüne Senator für Verkehr und Mobilitätswende, bereits einige Maßnahmen ergriffen. So wurden Abbiegeassistenten für städtische Lkw über 3,5 Tonnen eingeführt, um Fahrer vor möglichen Kollisionen mit Radfahrenden zu warnen. „Alte städtische Lkw sollen sogar nachgerüstet werden“, ergänzt Tjarks. Diese Maßnahmen gehen über die EU-Richtlinien hinaus, doch dennoch gibt es auch kritische Stimmen. Experten fordern nicht nur die Einführung von Abbiegeassistenten, sondern auch getrennte Wege für Rad- und Autoverkehr sowie gesonderte Ampelphasen.
Doch es bleibt nicht ohne Herausforderungen. Trotz bestehender Vorschriften, die Lkw dazu anhalten, mit Schrittgeschwindigkeit abzubiegen, erfolgt kaum eine Kontrolle. Bei Gerichtsverhandlungen nach tödlichen Verkehrsunfällen wird häufig festgestellt, dass Fahrer schneller fuhren, was die Sache nur noch komplizierter macht. Dirk Lau vom ADFC beschreibt seine Verzweiflung über die mangelnden Fortschritte in der Verkehrssicherheit. Auch die Innenbehörde Hamburg bleibt auf Anfragen zur Erhöhung von Geschwindigkeitskontrollen oder zu einem Runden Tisch bezüglich Lkw-Abbiegeunfällen stumm.
Historische Perspektive und Zukunftsvision
Bürgermeister Peter Tschentscher hat ein Moratorium beim Abbau von Autoparkplätzen im öffentlichen Raum ausgerufen, was den Ausbau von Radwegen zusätzlich behindert. Die Behörde für Verkehr und Mobilität bleibt auf Anfragen zu geschützten Kreuzungen und getrennten Ampelschaltungen vage. In diesem Kontext hat der Hamburger Senat das Ziel „Vision Zero“ verabschiedet, welches die Anzahl der Verkehrstoten auf null reduzieren soll. Es ist jedoch zu bedenken, dass diese umfassenden Maßnahmen mit hohen Kosten verbunden sind – schließlich kostet ein Verkehrstoter gesamtwirtschaftlich etwa eine Million Euro, während der Umbau von Kreuzungen sehr kostspielig sei.
Ein Rückblick zeigt, dass die Probleme im Verkehr nicht neu sind: Vor 35 Jahren wurde ein neunjähriges Mädchen von einem Lkw überrollt, was zu massiven Protesten und Forderungen nach Tempo 30 führte. Die damalige Stadtentwicklungssenatorin Traute Müller setzte sich dafür ein, jedoch scheiterte das Vorhaben an der Zustimmung des Innensenators. Es bleibt abzuwarten, ob sich diesmal echte Fortschritte im Sinne der Verkehrssicherheit erzielen lassen, oder ob es bei Worten bleibt.