In Hamburg brodelt’s gerade ganz schön in der Schullandschaft – und das nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen! Die Schulbehörde hat sich nämlich etwas einfallen lassen, das die Wogen der Elternschaft ordentlich aufwühlen könnte. Bei der Pilotierung des vierten Durchlaufs der Schulinspektion wird erstmals auf die Befragung der Eltern verzichtet. Ein Schritt, der Simone Kohl, der Vorsitzenden der Hamburger Elternkammer, ordentlich sauer aufstößt. „Sachgerecht und nicht akzeptabel“ – so ihr vernichtendes Urteil zu dieser Entscheidung.

Früher waren die Elternfragen ein fester Bestandteil der Inspektionen. Themen wie der Informationsfluss, der respektvolle Umgang der Lehrkräfte und die Förderung des Kindes standen auf der Agenda. Eltern hatten die Möglichkeit, anonym auf einer Skala zu antworten, und die Fragen wurden sogar in 13 Sprachen angeboten. Doch nun, im März 2023, hat die Schulbehörde beschlossen, dass nur noch „schulische Akteure“ wie Kinder, Lehrkräfte und Schulleitungen befragt werden. Was für ein Umbruch! Die Elternkammer, die von der Entscheidung nicht einmal im Vorfeld informiert wurde, ist entsetzt.

Elternbeteiligung: Ein wichtiges Puzzlestück

Die Schulbehörde argumentiert, dass die Elternbefragung aufgrund zu geringer Beteiligung wegfällt. Im Schnitt haben nur 30% der Eltern teilgenommen, während die erforderliche Beteiligung bei 50% liegt. Claudia Pittelkow, die Sprecherin der Schulbehörde, betont jedoch, dass die Elternperspektive nicht gänzlich ausgeschlossen werden soll. Stattdessen plant die Behörde, alternative Formate wie Workshops zur Einbeziehung der Eltern anzubieten. Ein bisschen wie der Versuch, mit einem neuen Rezept ein altes Gericht zu retten – aber funktioniert das wirklich?

Die Elternkammer sieht das kritisch. Schließlich hängt der Erfolg eines Kindes in der Schule stark vom familiären Hintergrund ab. Studien, darunter die bekannte PISA-Studie, zeigen, dass sozial benachteiligte Kinder oft schlechtere Leistungen erbringen – und das nicht nur im Vergleich zu ihren Altersgenossen. Kinder mit Migrationshintergrund schneiden noch schlechter ab. Das ist ein Teufelskreis, denn die Wahl der weiterführenden Schulen und Ausbildungswege wird stark vom sozialen Status der Familie beeinflusst. Eindeutig: Der Einfluss des Elternhauses bleibt während der gesamten Schulzeit hoch.

Chancen und Herausforderungen

Aber was kann man tun, um diese Ungleichheiten zu verringern? Eine Möglichkeit ist die Elternbeteiligung. Sie kann den schulischen Erfolg von Kindern erheblich fördern. Formen der Beteiligung wie Unterstützung zu Hause, in der Schule oder bildungsbezogene Kommunikation sind entscheidend. Ehrenamtliche Tätigkeiten von Eltern in Schulen können besonders förderlich sein. Doch die Realität sieht oft anders aus: Eltern aus sozial benachteiligten Familien haben häufig weniger Informationen über das Bildungssystem und deren Kommunikation mit Lehrkräften ist oft anlassbezogen.

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Die Corona-Pandemie hat diese Herausforderungen zusätzlich verstärkt. Schulschließungen und der Distanzunterricht haben gezeigt, wie wichtig die Rolle der Eltern für den schulischen Erfolg ihrer Kinder ist. Schulen stehen nun vor der Aufgabe, sozial benachteiligte Familien besser zu erreichen und einbeziehen. Initiativen wie Family Literacy oder das FuN-Programm in NRW zeigen, wie Elternbeteiligung gefördert werden kann. Diese Maßnahmen sind notwendig, um Bildungsungleichheiten abzubauen – auch wenn sie nicht alle Probleme lösen können.

Ein Gedanke bleibt: Die Verantwortung für Bildung liegt in Deutschland stark bei den Familien. Das verstärkt den Einfluss des sozioökonomischen Status – und das ist eine Herausforderung, die auf vielen Schultern lastet. Die Frage bleibt, wie die Schulbehörden und die Politik hier einen fairen und gerechten Zugang für alle Kinder schaffen können.