Auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg fand am heutigen Vatertag, dem 14. Mai 2026, die Demo „Come on, Boys!“ statt, die sich gegen sexualisierte Gewalt richtete. Bei Nieselregen versammelten sich rund 2.000 Teilnehmende, darunter zahlreiche Männer, aber auch einige Hundert Frauen. Der Veranstalter Enrique Fiß äußerte sich erfreut über das große Interesse, auch wenn er keine allzu hohen Erwartungen verband. „Wenn nur eine Person hier mit einem neuen Gedanken oder einem neuen Gefühl nach Hause geht, wäre ich eigentlich schon glücklich“, betonte er.

Das Motto der Demo lautete „Menschlich statt männlich“, und die Teilnehmenden forderten eine gestärkte Haltung gegen Gewalt und mehr Verständnis für Frauen. Als eines der zugrundeliegenden Probleme wurde die hohe Zahl von Frauen erwähnt, die mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt erfahren. Laut Statistik erlebt jede vierte Frau in Deutschland häusliche Gewalt. Diese alarmierenden Zahlen wurden auch von der CDU Hamburg aufgegriffen, die präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt einfordert.

Ein Blick auf die Problematik

Die Veranstaltung war nicht nur ein inhaltliches Zeichen gegen Gewalt, sondern auch eine Aufforderung zur Selbstreflexion unter Männern. Viele Jungen, Männer und Väter bringen Erfahrungen mit Gewalt mit, sei es als Täter oder als Opfer. Die Gewalt, die sie erfahren, kann darunter physische, psychische, sexuelle und wirtschaftliche Aspekte umfassen und tritt in unterschiedlichen Lebensbereichen auf – sei es öffentlich, digital oder im familiären Umfeld. Das Bundesforum Männer hebt hervor, wie wichtig es ist, diese Themen offenzulegen und das Bild von Männlichkeit zu hinterfragen.

Männer machen etwa 75% der Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten aus. Dabei muss auch anerkannt werden, dass Männer häufig selbst Opfer von Gewalt sind – eine Thematik, die häufig unterrepräsentiert bleibt. Traditionelle Geschlechterrollen verstärken das Bild von Männern als Täter, was das Suchen nach Hilfe für viele erschwert. Es wird eine flächendeckende, geschlechterreflektierte Jungen- und Männerarbeit gefordert, um effektive Gewaltprävention zu betreiben.

Aktuelle Studien und deren Ergebnisse

Eine Pilotstudie zum Thema “Gewalt gegen Männer” wurde jüngst ins Leben gerufen, um die Gewalterfahrungen von Männern im häuslichen und außerhäuslichen Bereich besser zu verstehen. Bisher lag der Fokus der meisten Untersuchungen auf Männern als Tätern und Frauen als Opfern. Die Methodik dieser neuen Studie umfasst qualitative Interviews mit Experten sowie quantitative Befragungen, die allerdings aufgrund geringer Fallzahlen nicht verallgemeinert werden können. Hier wird ein klarer Bedarf an belastbaren Daten zur Gewaltbetroffenheit von Männern gesehen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die gesammelten Informationen könnten helfen, effektive Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und die Stigmatisierung von männlichen Gewaltopfern abzubauen. Ein weiterer Aspekt ist die Notwendigkeit, Hilfsangebote auszubauen, die Männer unterstützen, die unter Gewalt leiden. Verbesserte Zugänge zu Krisen- und Beratungsstellen sowie ein niederschwelliges Hilfetelefon für Männer könnten dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen.

Insgesamt zeigt die Demo „Come on, Boys!“ auf, dass es an der Zeit ist, über Gewalt gegen Frauen und Männer zu sprechen. Die Resonanz auf dieser Veranstaltung könnte der erste Schritt in eine neue Richtung sein, die sowohl Verletzlichkeit anerkennt als auch den Mut fördert, sich gegen Gewalt zu stellen.

Weitere Informationen finden Sie unter NDR, Bundesforum Männer und der Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.