Am 14. Mai 2026 fand auf dem Hamburger Heiligengeistfeld eine eindrucksvolle Demo unter dem Motto „Come on, Boys!“ statt. Der Anlass? Ein klarer Appell gegen sexualisierte Gewalt. Rund 2.000 Menschen, überwiegend Männer, versammelten sich bei Nieselregen, um eine neue Bedeutung für den Vatertag zu schaffen. „Menschlich statt männlich“, „Haltung zeigen“ und „Männer gegen Männergewalt“ – diese Slogans schallten durch die Straßen und gaben dem Tag eine ganz besondere Note. Es war mehr als nur eine Demo; es war ein Zeichen der Solidarität und des Wandels.

Die Teilnehmer forderten mehr Verständnis für Frauen und äußerten den Wunsch nach Veränderung und Selbstreflexion. Enrique Fiß, der Veranstalter, zeigte sich erfreut über die Resonanz, doch mit einem gewissen Maß an Skepsis: „Wenn nur eine Person hier mit einem neuen Gedanken oder einem neuen Gefühl nach Hause geht, wäre ich eigentlich schon glücklich.“ Diese Worte treffen den Nagel auf den Kopf und verdeutlichen die enorme Wichtigkeit, die hinter diesem Protest steht. Gewalt gegen Frauen ist ein ernstes Thema, das in unserer Gesellschaft nicht länger ignoriert werden kann. Statistiken zeigen, dass jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt erfährt. Das ist erschreckend.

Die Problematik der Gewalt

Die Demo war nicht nur ein Schrei nach Veränderung, sondern auch ein Hinweis auf die weit verbreitete Problematik von Gewalt, die in vielen Facetten auftritt: physisch, psychisch, sexuell und ökonomisch. Viele Jungen, Männer und Väter haben selbst Erfahrungen mit Gewalt gemacht – sei es als Täter oder als Opfer. Das ist eine Realität, die oft im Schatten steht und viel zu selten thematisiert wird. Gewalt findet in unterschiedlichsten Räumen statt: In der Öffentlichkeit, im digitalen Raum und vor allem im privaten, familiären Bereich.

Traditionelle Männlichkeitskonzepte tragen zur Stigmatisierung bei und verstärken das Bild von Männern als Täter. Dabei erleben auch viele Männer Gewalt und haben oft Schwierigkeiten, darüber zu sprechen. Der Druck, stark und unverwundbar zu sein, hindert sie daran, Hilfe zu suchen. In diesem Kontext wird das Bedürfnis nach einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik immer deutlicher. Sie sollte dafür sorgen, dass gewalttätige Männer gestoppt werden, Präventionsmaßnahmen gestärkt werden und gewaltbetroffene Personen Unterstützung erhalten.

Der Weg zur Veränderung

Um dem entgegenzuwirken, ist eine flächendeckende, geschlechterreflektierte Jungen- und Männerarbeit entscheidend. Es geht darum, alternative Handlungsmöglichkeiten zu finden und die Verletzbarkeit von Männern anzuerkennen. Die Integration der Perspektiven gewaltbetroffener Jungen und Männer in Gewaltschutzrichtlinien ist ebenfalls notwendig, um wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Krisen- und Gewaltberatungen für Männer müssen ausgebaut werden, und niedrigschwellige, mehrsprachige Hilfsangebote für von häuslicher Gewalt betroffene Männer sind unabdingbar.

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Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist das „Hilfetelefon Gewalt an Männern“, das bundesweit rund um die Uhr erreichbar sein soll. Die Schaffung von zusätzlichen Gewaltschutzwohnungen für Männer ist erforderlich, um diesen oft übersehenen Aspekt der Gewaltprävention zu adressieren. Diese Maßnahmen sind nicht nur notwendig, sondern auch überfällig.

Ein Blick in die Forschung

Die Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“ ist die erste umfassende Untersuchung zur personalen Gewalt gegen Männer in Deutschland und eröffnet neue Perspektiven auf die Gewalterfahrungen von Männern. Bisher lag der Fokus oft auf Männern als Tätern und Frauen als Opfern. Die Ergebnisse dieser Studie könnten entscheidend sein, um die Dunkelziffer dieser Problematik zu beleuchten. Die Bemühungen um belastbare Daten sind essenziell, um wirksame Maßnahmen zu entwickeln und das Thema öffentlich zu enttabuisieren.

Diese Entwicklungen und Diskussionen sind wichtig, denn nur gemeinsam können wir an einer Veränderung arbeiten. Die Resonanz auf die Demo „Come on, Boys!“ zeigt, dass der Wille zur Veränderung da ist. Es bleibt zu hoffen, dass diese Stimmen nicht verhallen, sondern den Anstoß für ein Umdenken geben.