Abrigado unter Druck: Wenn Hilfe zur Belastung wird
Heute ist der 9.07.2026, und die Situation rund um das Drogenhilfezentrum Abrigado in Harburg wirft immer noch viele Fragen auf. Die Zahlen, die der Hamburger Senat vor kurzem veröffentlicht hat, sind nicht nur alarmierend, sie geben auch einen tiefen Einblick in die Herausforderungen, mit denen die Gemeinde konfrontiert ist. Seit Anfang 2023 wurden am Standort in der Schwarzenbergstraße insgesamt 487 Polizeieinsätze registriert – eine Zahl, die für sich selbst spricht. Vor allem die 196 Einsätze im Jahr 2023 und die 128 Einsätze im Jahr 2024 machen deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Die AfD-Fraktion hat bereits ihre Stimme erhoben und sieht in diesen Zahlen eine erhebliche Belastung für das Umfeld der Einrichtung. Es ist der einzige Drogenkonsumraum südlich der Elbe, der Beratungs- und Hilfsangebote sowie einen Expresskonsumraum für Crack anbietet. Das Abrigado steht jedoch nicht allein da – ähnliche Einrichtungen findet man in St. Georg, Altona und in der Brennerstraße. Doch was bedeutet das alles für die Anwohner?
Ein Blick auf die Einsätze
Insgesamt summieren sich die Polizei- und Rettungsdiensteinsätze am Abrigado auf knapp 600. Die Einsatzanlässe sind vielfältig: von Personenüberprüfungen über Körperverletzungen bis hin zu Betäubungsmitteldelikten. In den letzten Jahren gab es auch 382 Platzverweise, aber keine Waffen nach dem Waffengesetz wurden sichergestellt. Es zeigt sich, dass die Polizei häufig gefordert ist, aber es gibt auch Lichtblicke. Im ersten Quartal 2026 ist die Gesamtkriminalität im Ortsteil 701, in dem das Abrigado liegt, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum tatsächlich zurückgegangen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer?
Doch die Lage bleibt angespannt. So wurde erst kürzlich berichtet, dass es zwei Schießereien in der Nähe der Einrichtung gegeben hat. Bei einem Vorfall wurde ein 45-jähriger Mann ins Bein geschossen, was natürlich die Gemüter der Anwohner zum Überkochen brachte. Bei einer Sicherheitskonferenz am 7. Juli 2026, die in der Aula des regionalen Bildungs- und Beratungszentrums Harburg stattfand, war die Stimmung teils aufgeladen. Eltern und Anwohner hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen – und diese Gelegenheit ließen sie sich nicht entgehen.
Die Reaktionen der Anwohner
Was die Anwohner und Eltern besonders aufgebracht hat, war der Vorwurf, die Sozialbehörde habe die Verlegung des Abrigado in die Buxtehuder Straße verschleppt. Die Sozialbehörde wies diesen Vorwurf allerdings entschieden zurück und kündigte einen Bauvorbescheid für einen Neubau an, dessen Fertigstellung bis Ende 2028 geplant ist. Die Wogen scheinen sich nicht glätten zu wollen. Die Menschen vor Ort sind empört und frustriert über die Situation.
Zur Linderung der Probleme plant das Bezirksamt kurzfristige Maßnahmen wie intensivere Straßensozialarbeit und möglicherweise sogar einen privaten Sicherheitsdienst vor der benachbarten Schule. Angesichts der Tatsache, dass monatlich 70 bis 100 Spritzen im Umfeld der Einrichtung eingesammelt werden, ist das vielleicht auch bitter nötig. Die Stadtreinigung Hamburg hat die Reinigungszeiten bereits auf die Morgenstunden vor der Frühbetreuung an der Schule verlegt, um die Situation zu entschärfen.
Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt die Frage, wie die Stadt und die Behörden das Vertrauen der Anwohner zurückgewinnen können. Eine Informationsveranstaltung für die Eltern der benachbarten Schulen ist für Anfang Juli angekündigt. Aber ob das ausreicht, um die Sorgen und Ängste der Anwohner zu zerstreuen? Das bleibt abzuwarten.
