Am 30. April 2026 wurde auf dem Hamburger Kiez der Spatenstich für das ehrgeizige Bauprojekt „Kiezkante“ gefeiert. Auf einem 6.100 Quadratmeter großen Areal hinter dem Spielbudenplatz soll in den kommenden Jahren ein neues urbanes Zentrum entstehen, das die bauliche Lücke auf St. Pauli schließen möchte. Insgesamt sind bis 2029 zahlreiche Projekte geplant, darunter ein Hotel, eine Kindertagesstätte, 169 öffentlich geförderte Wohnungen sowie Handelsflächen.
Die Umsetzung des Bauvorhabens erfolgt durch die Wohnungsbaugesellschaft SAGA in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Quantum, unterstützt von verschiedenen städtischen Behörden. Die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein, betonte bei der Eröffnung die Bedeutung des Projekts für die soziale Struktur auf St. Pauli und den Fokus auf nachhaltige und kulturelle Nutzungen. „Das Projekt wird nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch die kulturelle Vielfalt in diesem Stadtteil fördern“, so Pein.
Vielfältige Nutzungen geplant
Der Mix aus Wohn- und Gewerbeflächen ist dabei besonders auffällig. Geplant sind 169 Wohnungen, die zu 100 Prozent als öffentlich geförderter Wohnraum angeboten werden. Diese sollen in unterschiedlichen Preissegmenten liegen, mit Kaltmieten zwischen 7,10 und 12,10 Euro pro Quadratmeter. Die Wohngebäude werden zwischen sechs und acht Geschossen aufweisen, um den Platz optimal auszunutzen. Außerdem sind zusätzlich eine Kita und sieben Gewerbeeinheiten mit einer Nutzfläche von etwa 1.300 Quadratmetern vorgesehen, die das soziale Angebot im Viertel erweitern sollen.
Ein Highlight des Projekts wird ein Kreativgebäude sein, das auf sieben Etagen Flächen für die Kreativwirtschaft bereitstellt. Der Erd- und Untergeschossbereich des Kreativgebäudes wird zudem für einen Livemusik-Club genutzt. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft wird die Flächen für Club- und Kulturanwendungen betreiben, was der kulturellen Szene auf St. Pauli neue Impulse geben dürfte.
Kritik und Herausforderungen
Trotz der positiven Erwartungen gibt es auch kritische Stimmen. Der ursprüngliche Plan, der unter dem Namen „Paloma-Viertel“ bekannt war, hatte mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen. Insbesondere Steffen Jörg vom Projektrat äußerte Bedauern über gestrichene Details und Anpassungen am ursprünglichen Konzept. Auch die Hamburger Linke zeigte sich unzufrieden mit den Änderungen und forderte ein stärkeres Augenmerk auf die Belange der ehemaligen Bewohner, die 2013 wegen Einsturzgefahr aus den Esso-Häusern ziehen mussten. Diese Häuser wurden 2014 abgerissen, und die Stadt steht seitdem unter Druck, das Grundstück vorteilhaft zu nutzen.
Der Baustart ist ein wichtiger Schritt in der Stadtentwicklung, der den Übergang in die Umsetzungsphase markiert, nachdem viele Jahre an Konzepten und Planungen gearbeitet wurde. Finanzsenator Dr. Andreas Dressel hob den Mix aus gefördertem Wohnungsbau und kulturellen Nutzungen hervor, während Dr. Carsten Brosda, der Senator für Kultur und Medien, die Integration von Kultur und Kreativwirtschaft als zentralen Aspekt betonte. Das Areal, das seit Jahren im Fokus der Stadtentwicklung steht, wurde 2009 von der Bayerischen Hausbau erworben und 2024 an die SAGA und Quantum veräußert, die nun gemeinsam den Projektstart gefeiert haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kiezkante ein spannendes und vielversprechendes Projekt für St. Pauli darstellt, das sowohl Wohnraum als auch kulturelle Angebote bringen soll. Zukünftig bleibt es abzuwarten, wie sich die Planungen weiterentwickeln und ob die Erwartungen der Anwohner und Stakeholder erfüllt werden können.
Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf NDR und hamburg.de.