Der Chefarzt des Zentrallabors und Leiter des Immundefektzentrums am Klinikum St. Georg in Leipzig, Dr. Stephan Borte, steht vor einem bedeutenden Wechsel: Er verlässt seine Position in der sächsischen Landeshauptstadt, um nach Schleswig-Holstein zu ziehen. Die LVZ berichtet, dass Borte diesen Schritt macht, um näher bei seiner Frau, die als niedergelassene Ärztin arbeitet, zu sein.

Borte hat seinen Lebensmittelpunkt in Schleswig-Holstein bereits gefunden und ein Haus gekauft. Während seiner Zeit in Leipzig pendelte er über 300.000 Kilometer zu seiner Familie. Diese große Distanz ist nicht nur auf die persönliche Situation zurückzuführen, sondern auch ein Zeichen für sein Engagement, das er in den letzten Jahren im Klinikum St. Georg gezeigt hat.

Ein Verlust für das Klinikum

Dr. Borte übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe, verschiedene Laborbereiche am St. Georg zu einer Einheit zusammenzuführen, ein Projekt, das ursprünglich für mehrere Jahre angelegt war. Besonders während der Pandemie wuchs der Zusammenhalt im Team, und die Labormedizin gewann an Bedeutung. Seine Arbeiten erleichterten unter anderem die frühzeitige Diagnose von schweren angeborenen Immundefekten. Seit 2019 sind in Deutschland Neugeborene auf solche Erkrankungen untersucht worden, was lebensrettend sein kann.

Borte war auch an der Entwicklung eines neuen Testverfahrens für das Neugeborenen-Screening beteiligt und gründete die Firma „Immuno IVD“. Dieses innovative Unternehmen beschäftigt heute mehr als 45 Mitarbeiter und hat maßgebend dazu beigetragen, dass der „Schwere Kombinierte Immundefekt“ (SCID) schneller erkannt werden kann. Früher lag die Schätzung für diese Erkrankung bei 1:100.000 Neugeborenen, heute ist sie auf 1:32.500 gesenkt worden.

Nachhaltige Auswirkungen und Nachfolge

Mit Bortes Abgang verliert das Klinikum St. Georg einen äußerst geschätzten Mediziner, der auch die Studienabteilung leitete. Seine Nachfolger, Dr. Maria Faßhauer und Dr. Nils Kellner, werden die Leitung des Immundefektzentrums Leipzig (IDCL) übernehmen, während Dr. Olaf Nickel kommissarisch das Zentrallabor leitet. Zudem ist im Sommer eine Einweihung einer erweiterten Laborstrecke geplant, die eines der modernsten Automatenlabore in Sachsen sein wird.

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Borte wird zum 1. April Chefarzt des Zentrallabors am Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster, wo er die Aufgabe hat, ein immunologisches Kompetenzzentrum aufzubauen. Diese neue Verantwortung verspricht spannende Herausforderungen und die Möglichkeit, die medizinische Versorgung in Schleswig-Holstein weiter zu verbessern.

Neugeborenen-Screening und SCID

Die Bedeutung der Untersuchungen auf angeborene Immundefekte kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Neugeborenen-Screening, zu dem auch SCID gehört, wurde am 10. August 2019 offiziell eingeführt. Diese Tests sind ein unverzichtbarer Schritt in der Früherkennung, da sie präventive Maßnahmen und die Planung von kurativen Therapien wie Stammzelltransplantationen ermöglichen. Die Universitätsklinik Freiburg und andere Kliniken haben dazu beigetragen, dass frühzeitig geeignete Behandlungszentren ausgewählt werden konnten.

Besonders für Kinder mit SCID ist eine sorgfältige Infektionsvermeidung entscheidend. Von regelmäßiger Hygiene bis zur Vermeidung großer Menschenansammlungen – es sind viele Maßnahmen erforderlich, um die Gesundheit dieser Babys zu schützen. Auch auf die eigene Gesundheit der Eltern sollte geachtet werden, da die Belastung durch die besondere Situation zu emotionalen Herausforderungen führen kann.

Wie wichtig die frühzeitige Diagnostik ist, zeigen die Fortschritte in der Behandlung und der Lebensqualität der betroffenen Familien. Der Aufbau eines solchen Kompetenzzentrums in Schleswig-Holstein ist ein richtiger Schritt in die Zukunft.

Die Entwicklungen rund um Dr. Borte und das Neugeborenen-Screening zeigen, wie viel in der Medizin zusammenkommt – Engagement, Forschung und die frühzeitige Erkennung von Erkrankungen, die ohne Intervention schwerwiegende Folgen haben können.