Am 22. Mai hat im Neuen Rathaus Leipzig der „Leipziger Tag der Lebergesundheit“ stattgefunden. Ein Event, das sich nicht nur um die medizinischen Aspekte von Lebererkrankungen dreht, sondern auch um die sozialen Dimensionen, die oft im Schatten der Diagnosen stehen. Lebererkrankungen sind häufig schmerzlos und werden oft zu spät erkannt – sei es die Fettleber, die durch ungesunde Lebensweisen entsteht, oder die heimtückischen Hepatitis-Infektionen, die still und leise vor sich hin wuchern. Prof. Dr. Ingolf Schiefke vom Klinikum St. Georg Leipzig warnte eindringlich vor den Spätfolgen solcher unentdeckten Erkrankungen und betonte die Dringlichkeit der Früherkennung. Es gibt einfach keinen Grund, die Augen vor diesen Problemen zu verschließen!

Ein zentrales Projekt, das bei dieser Veranstaltung vorgestellt wurde, ist „Leipzig – Leben ohne Hepatitis“ (kurz LeoH). Mit einer klaren Zielsetzung: die Verbesserung der Früherkennung und Behandlung von Hepatitis in der Region. Die WHO hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Hepatitis B und C bis 2030 weitgehend zu eliminieren. Doch Deutschland ist auf einem gefährlichen Weg, dieses Ziel zu verfehlen. Es mangelt an der Nutzung von Screening-Angeboten, und besonders Migranten haben oft keinen Zugang zu den nötigen Informationen und Behandlungen.

Die Bedeutung von Früherkennung

Prof. Dr. Florian van Bömmel, ebenfalls vom Universitätsklinikum Leipzig, hob hervor, dass das Projekt LeoH entscheidende Versorgungslücken schließt. Es geht darum, regionale Netzwerke zu schaffen, die die Elimination von Hepatitis vorantreiben. Ein Ansatz, der nicht nur auf medizinischer Ebene wirkt, sondern auch präventiv aufklärt. Der Zugang zu Screening-Angeboten ist von großer Bedeutung, wie Dr. Heinrich Rodemerk (UKL) betont. Und das, obwohl seit Oktober 2021 gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C haben – ein Schritt in die richtige Richtung!

Die Realität sieht jedoch anders aus: Schätzungen zufolge leben in Deutschland bis zu 500.000 Menschen mit einer chronischen Hepatitis B oder C, viele wissen jedoch nichts von ihrer Erkrankung. Das Screening hat sich als effektives Instrument zur Früherkennung etabliert, und dennoch ist der aktuelle Fortschritt nicht genug, um die WHO-Ziele zur Eindämmung zu erreichen. Die Bundesregierung hat 2016 die Strategie „BIS2030“ entwickelt, um HIV und Hepatitis effizienter zu bekämpfen, aber der Weg ist noch lang.

Soziale Gerechtigkeit und Stigmatisierung

Serdar Yüksel von der SPD machte darauf aufmerksam, dass Lebergesundheit auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit ist. Die Stigmatisierung der Betroffenen muss abgebaut werden, denn oft führt das zu einem Teufelskreis: Wer sich schämt, sucht keine Hilfe. Und doch könnte eine einfache Aufklärung über die Möglichkeiten der Behandlung, wie die modernen Medikamente gegen Hepatitis C, die Situation grundlegend verändern. Diese können innerhalb von zwei bis drei Monaten fast alle Patienten heilen. Für Hepatitis B gibt es Therapien, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.

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Das Screening-Programm hat bereits Früchte getragen: Zwischen dem vierten Quartal 2021 und dem dritten Quartal 2023 wurden über 17.800 neue Hepatitis-B-Fälle und mehr als 6.500 Hepatitis-C-Fälle entdeckt. Die Zahlen steigen rasant, was einen klaren Handlungsbedarf aufzeigt. Aber es gibt Hoffnungen, dass die positive Bilanz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie am Welt-Hepatitis-Tag 2025 noch mehr Aufschluss über die Fortschritte geben wird.

Die Lebergesundheit sollte uns alle angehen. Schließlich geht es nicht nur um Zahlen und Statistiken – es geht um Menschenleben. Und jeder von uns kann dazu beitragen, das Bewusstsein für diese oft übersehenen Erkrankungen zu schärfen. Wir haben die Chance, durch Prävention, Aufklärung und geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Leber gesund bleibt. Und im besten Fall wird das Leipziger Modell bald auch bundesweit Nachahmung finden.