Am Puls der Zeit und mitten im geselligen Treiben der Hamburger Reeperbahn hat Michael Ehnert seinen Debütroman „Hamburg, Wache 16“ veröffentlicht. Der Hamburger Schauspieler, Kabarettist und Autor nimmt uns mit auf eine Reise in die 1970er Jahre, als die Polizeiwache 16 an der Budapester Straße für ihren gefürchteten Ruf bekannt war. Während seiner jahrelangen Recherchen hat Ehnert mit Zeitzeugen, ehemaligen Polizisten, Sexarbeiterinnen und Journalisten gesprochen, um das Leben im Kiez authentisch darzustellen.
Der Roman ist ein spannendes Gemisch aus Fakten und Fiktion und thematisiert nicht nur die rauen Seiten des Lebens auf St. Pauli, sondern auch die Konflikte zwischen Zuhältern und den legendären Hells Angels. Ehnert beschreibt den Kiez als einen Ort voller Herausforderungen – geprägt von Gewalt, Alkohol und Drogen, aber auch von einer bemerkenswerten Lebendigkeit und Vielfalt. Hier versammelten sich Menschen, die anders leben wollten, darunter Künstler und Freigeister, die dem Alltag entfliehen wollten.
Ein Blick auf die Polizeiarbeit der 70er Jahre
In seinem Roman verleiht Ehnert der Polizeiwache 16, die für ihre harten Einsätze rund um die Reeperbahn bekannt war, eine neue Dimension. Die Ankunft der Polizisten sorgte oft für Ruhe bei Schlägereien, und der Autor vergleicht die Polizeiarbeit der damaligen Zeit mit der heutigen. Ehnert ist der Meinung, dass die Polizisten von damals weniger reglementiert waren und wünscht sich mehr Handlungsspielraum für heutige Beamte, ohne dass sie selbst zu Gesetzgebern werden.
Der Protagonist des Buches, Polle, findet schließlich seinen Weg zur Wache 16 und wird von Werner, einer fiktiven Figur, die auf Ehnerts eigenem Vater basiert, als Mentor begleitet. Diese biografischen Elemente fließen stark in die Erzählung ein und verleihen dem Werk eine persönliche Note. Ehnert möchte keine verklärte Darstellung des Kiezes, sondern eine ungeschminkte Erzählung, die den Geist der damaligen Zeit einfängt.
Die Reeperbahn als Ort der Freiheit
Die Reeperbahn, ein zentraler Bestandteil von Hamburg, wird als Ort der Freiheit, des Nachtlebens und des kulturellen Experimentierens beschrieben. Ehnert hebt hervor, dass die Geschichte der Reeperbahn eng mit der Schifffahrt verbunden ist, und unterscheidet klar zwischen Prostitution, die er akzeptiert, und Zuhälterei, die er als verwerflich ansieht. Sein Wunsch ist es, die Reeperbahn in Richtung eines Unterhaltungsviertels weiterzuentwickeln, ähnlich dem Broadway in Hamburg.
Sein Debütroman, der im Junius Verlag veröffentlicht wurde und 18 Euro kostet, bietet eine lebendige und authentische Sprache, die die Atmosphäre der 1970er Jahre einfängt – auch wenn sie mit kontroversen Begriffen durchsetzt ist. Wer mehr über Ehnerts Werk erfahren möchte, kann ihn am 13. April im St. Pauli Theater bei einer Lesung erleben. Die Karten kosten 24 Euro und sind eine hervorragende Gelegenheit, in die Welt von „Hamburg, Wache 16“ einzutauchen.
Für all jene, die sich für die spannende Mischung aus Biografie, Geschichte und Fiktion interessieren, bietet dieser Roman einen faszinierenden Einblick in das Rotlichtmilieu von Hamburg und die Geschichten, die sich dort abspielten. Ehnerts Werk ist ein emotionales und kraftvolles Zeugnis einer Zeit, die viele Facetten des menschlichen Lebens beleuchtet und zum Nachdenken anregt.
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