Glaube im Wandel: Ein Aufruf zur Eigenverantwortung in der Kirche St. Georg
In der kleinen, aber feinen Kirche St. Georg in Aufkirchen fand neulich ein ganz besonderer Zeitfragengottesdienst statt. Pfarrer Rainer Maria Schießler, ein Mann mit einer ganz eigenen Art, die Dinge zu betrachten, nahm die Gemeinde mit auf eine Reise durch Glauben und Moderne. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Katholischen Landvolk Bewegung (KLB), unter der Leitung von Veronika Strasser und Hans Müller. Das Motto, „Glaube und Moderne – Kraft aus dem Evangelium“, versprach spannende Impulse und tiefgehende Gedanken.
Schießler ging direkt in die Vollen und thematisierte gleich zu Beginn die drängenden Fragen unserer Zeit: Kirchenaustritte, Frauenordination und die Verantwortung jedes Einzelnen in der Gemeinde. „Es gibt keine einfachen Lösungen für Kirchenaustritte“, bemerkte er und bot dennoch Unterstützung an. Auch den 14-jährigen Ministranten Laurenz Sommer bezog er in seine Predigt ein – ein schöner Moment, der die Jugend ins Licht rückte. Dabei stellte er die Frage, wie Laurenz’ Mutter beim ersten Alleinlassen reagierte und spannte den Bogen zu Christi Himmelfahrt. Ganz nach dem Motto, dass man manchmal auch den Mut zum Eigenständigen finden muss.
Eigenverantwortung und Mut zur Veränderung
Ein Aufruf zur Eigenständigkeit, zur Problemlösung innerhalb der Gemeinde, war ein weiterer Kernpunkt seiner Ansprache. Schießler ermutigte die Anwesenden, Entscheidungen selbst zu treffen und nicht nur auf Anweisungen von oben zu warten. „Wir müssen die Frauenfrage klären“, forderte er und kritisierte die Ausschlusskriterien, die auf Geschlecht basieren. In einem katholischen Kontext ist das ein mutiger Schritt. Das Thema Frauenordination bleibt ein heißes Eisen in der Kirche, wie auch Elmar Klinger in seinen Überlegungen zur Thematik betont. Er vertritt die Auffassung, dass der Papst durchaus die Möglichkeit hat, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen – ein Argument, das sich im Rahmen der Tradition und Lehre von Jesus und den Aposteln bewegt, aber gleichzeitig auch eine Herausforderung darstellt.
Klinger kritisiert die Selbstbeschränkung der Kirche als falsche Bescheidenheit und fragt, warum es nicht-katholischen Kirchen erlaubt ist, Frauen zu ordinieren, während die römisch-katholische Kirche sich dagegen sträubt. „Die Argumente gegen die Frauenordination sind nicht ausreichend“, sagt er, und verweist dabei auf die biblische Geschichte von Kornelius, die zeigt, dass keine ethnischen oder biologischen Voraussetzungen für die Taufe nötig sind. Könnte es also sein, dass wir auch in der katholischen Kirche einen Wandel erleben sollten?
Ein Blick über den Tellerrand
Die evangelische Kirche in Deutschland hat bereits einen Weg zur Gleichstellung im geistlichen Amt beschritten. Eine Veröffentlichung des Studienzentrums der EKD für Genderfragen zeigt, dass Frauen in allen Landeskirchen seit etwa zwei Jahrzehnten rechtlich gleichgestellt sind. Die Wahl von Maria Jepsen als erste lutherische Bischöfin vor 25 Jahren ist ein Meilenstein, der zeigt, wie viel sich verändern kann, wenn man den Mut hat, Veränderungen anzustoßen. Der ergänzende Band zur Gleichstellung im geistlichen Amt gibt einen Überblick über die Geschichte der Frauenordination in den Landeskirchen und beleuchtet wichtige rechtliche Meilensteine.
Es ist spannend zu sehen, wie verschiedene Denominationen mit der Frage der Geschlechtergerechtigkeit umgehen. Während die evangelische Kirche auf einen Weg der Gleichstellung setzt, bleibt die katholische Kirche in vielen Punkten zurückhaltender. In Aufkirchen schloss Schießler seine Predigt mit einer ermutigenden Botschaft: Trotz der sinkenden Mitgliederzahlen bleibt die Gemeinde wichtig. Der große Applaus der Anwesenden zeigte, dass die Themen, die er ansprach, nicht nur oberflächlich waren, sondern die Herzen der Menschen berührten.
