Am 20. Juni 1966 stellte das Wohnungsunternehmen Neue Heimat ein ambitioniertes Projekt vor, das die Hafenstadt Hamburg für immer hätte verändern können: das Alsterzentrum. Geplant war ein atemberaubendes Ensemble in St. Georg, das mit hochmodernen Hochhäusern und großzügigen Wohnflächen auf sich aufmerksam machen wollte. Doch das Vorhaben wurde nie realisiert.

Vor über 50 Jahren hätte das Alsterzentrum die Skyline Hamburgs prägen sollen. Die Vorstellungen umfassten eine halbmondförmige Kette aus pyramidenartig verjüngenden Hochhäusern, die bis zu 63 Stockwerke hoch hätten ragen können. Stattliche 20.000 Menschen hätten hier wohnen sollen, zudem waren 6.500 Wohnungen, zahlreiche Gewerbeflächen, ein großes Einkaufszentrum sowie eine Tiefgarage mit 16.000 Stellplätzen vorgesehen. Die geschätzten Baukosten lagen bei mehr als zwei Milliarden D-Mark und die Bauarbeiten sollten bis 1973 abgeschlossen sein. In der Theorie klang alles nach einem Großprojekt, das Hamburg im internationalen Rampenlicht hätte strahlen lassen.

Gegensätze und Widerstand

Die anfängliche Begeisterung, auch innerhalb des Hamburger Senats, wich jedoch bald einer Welle des Widerstands. Besonders betroffen von den geplanten Abrissen waren die Anwohner aus St. Georg, die angstvoll um ihre Wohnungen und Nachbarschaften fürchteten. Viele von ihnen forderten ein Mitspracherecht bei der Planung. Kritische Stimmen nahmen zu und die Diskussionen über drohende Zwangsumsiedlungen verstärkten sich.

Architekt Hans Konwiarz hatte mehr als nur eine klare visionäre Vorstellung; sein Plan war als Basisentwurf gedacht, und eine endgültige Gestaltung durch einen internationalen Architektenwettbewerb angeregt. Doch der Sinn und Nutzen eines so überdimensionierten Projektes geriet zunehmend ins Wanken. Wie viel Handlungsspielraum sollte eine Stadt haben, um das Leben ihrer Bürger zu verändern?

Das endgültige Aus

Im Laufe der späten 1960er Jahre schwand das Interesse an diesem Großprojekt merklich. Der Widerstand wuchs nicht nur bei den Anwohnern, sondern auch bei Grundeigentümern, die eine aktive Teilnahme an den Planungen einforderten. Schließlich kam der Punkt, an dem Bürgermeister Peter Schulz (SPD) 1973 die endgültige Aufgabe des Alsterzentrums verkündete. Damit blieb die alte Bausubstanz in St. Georg erhalten, und das ehrgeizige Vorhaben, das Hamburg in ein „kleines Manhattan“ hätte verwandeln können, war gescheitert.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

So bleibt das Alsterzentrum ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte Hamburgs – ein Beispiel dafür, wie gewagte Pläne an der Realität zerschellen können. Projekte wie dieses werfen Fragen auf, die auch in der heutigen Zeit von Bedeutung sind: Wie weit darf eine Stadt gehen, um sich neu zu erfinden? Und zu welchem Preis übernimmt man diese Verantwortung?

Für die Bewohner St. Georgs bleibt das Thema jedoch nicht nur Theorie. Das Haus, in dem sie leben, die Nachbarschaft, die gewachsenen Strukturen – all das steht heute als Zeichen für einen Stadtteil, der trotz grandioser Pläne, die nie zur Realität wurden, weiterhin pulsiert.

Für weitere Informationen über das Alsterzentrum und seine Geschichte klicken Sie hier: NDR und Wikipedia.