In den letzten Jahren haben immer mehr Städte in Deutschland begonnen, Schwammstadtkonzepte umzusetzen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Diese innovativen Stadtplanungskonzepte finden sich unter anderem in Berlin, Hamburg, Münster, Düsseldorf, Leipzig, Cottbus, Halle, Trier und Neustadt an der Weinstraße. Ziel der Schwammstadt ist es, Regenwasser vor Ort zu speichern, zu versickern oder verdunsten zu lassen, anstatt es in die Kanalisation zu leiten. Auf diese Weise sollen Starkregenereignisse abgefangen und Überschwemmungen verhindert werden, während in Trockenzeiten Wasser zur Verfügung steht.

Die Umsetzung dieser Konzepte erfordert eine Vielzahl von Maßnahmen. Dazu gehören die Speicherung von Regenwasser in Sickergruben, Regengärten und Kanälen sowie die Entsiegelung und Begrünung von Bodenflächen und Dächern. Ein weiteres wichtiges Element sind große Baumscheiben mit Baumrigolen, die gezielt zur Wasserspeicherung angelegt werden. Zudem werden Bäume gepflanzt, die in der Lage sind, große Mengen Wasser aufzunehmen und durch Verdunstung zur Kühlung der Umgebung beizutragen. Ein Beispiel für die Umsetzung eines Schwammstadtprojekts ist das neue Quartier 416 am ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof in Leipzig, wo das Projekt „Leipziger BlauGrün“ gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorangetrieben wird. Die Fertigstellung dieses Schwammstadtviertels ist bis 2030 geplant, und Dr. Roland Müller hat bereits die Wassermengen ermittelt, die das Quartier aufnehmen und abgeben kann.

Fachkräfte für die Umsetzung gefragt

Der Umbau bestehender, dicht bebaute Siedlungen zu Schwammstädten ist ebenfalls möglich, erfordert jedoch qualifizierte Handwerksleistungen. Das Umweltbundesamt hat kürzlich Berufe identifiziert, die für die Klimaanpassungsmaßnahmen zusätzlichen Fachkräftebedarf haben, insbesondere in Bau- und Ausbauberufen. Die Bedeutung der Dachbegrünung wird dabei als besonders hoch eingeschätzt, denn sie könnte zwei Drittel der versiegelten Flächen zurückgeben. Unternehmen wie Rübsamen haben sich auf Dachentwässerung und Retentionsdächer spezialisiert, um diese Konzepte zu realisieren.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Städte zunehmend damit beginnen, das Einleiten von Niederschlagswasser in das Kanalsystem per Satzung zu beschränken. Der Rückbau von Schottergärten und die Entsiegelung von Flächen sind wichtige Aufgaben für Handwerker, um den urbanen Raum an die neuen klimatischen Gegebenheiten anzupassen. Das Bundes-Klima­anpassungsgesetz (KAnG), das 2024 in Kraft trat, regelt verbindlich die Anpassung an die Folgen des Klimawandels und bietet Kommunen die Möglichkeit, finanzielle Anreize für Rückbau, Entsiegelung und Begrünung bereitzustellen. Beispielsweise fördert Düsseldorf seit 2016 die Begrünung privater Flächen im Rahmen des Programms „DAFIB“, während Köln 50% der Kosten für den Rückbau von Schottergärten im Programm „GRÜN hoch 3“ übernimmt. Private Eigentümer sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind antragsberechtigt für diese Förderungen.

Politischer Rahmen und Forschung

Um einen politischen Rahmen für die Anpassung an den Klimawandel zu schaffen, hat die Bundesregierung die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) entwickelt. Diese Strategie ermöglicht eine sektorenübergreifende Vorgehensweise des Bundes und wird durch Fortschrittsberichte fortgeschrieben. Der dritte Monitoringbericht 2023 zur DAS liefert Informationen über Klimafolgen und bereits umgesetzte Gegenmaßnahmen in Deutschland. Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 untersucht 102 Klimawirkungen und 13 Handlungsfelder und bietet somit eine wertvolle Grundlage für die geplanten Maßnahmen.

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Die Forschungsexpertise, insbesondere in Bezug auf Überflutungs- und Hitzevorsorge, bietet Strategien für das Regenwassermanagement und die Integration von Klimaanpassung in städtische Planungen. Eine Praxishilfe zur Rücknahme von Siedlungsbereichen stellt einen „Werkzeugkasten“ für strategischen Siedlungsrückzug dar. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft (DWA) fordert einen aktiven Wandel im Umgang mit Wasser in der Stadtentwicklung, um langfristig resilientere Städte zu schaffen.

Insgesamt zeigt sich, dass die Schwammstadtkonzepte eine vielversprechende Lösung zur Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels darstellen. Die Kombination aus politischer Unterstützung, finanziellen Anreizen und innovativen Lösungen in der Stadtplanung könnte entscheidend dafür sein, dass unsere Städte auch in Zukunft lebenswert und nachhaltig bleiben.

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