Schwammstadt-Konzepte: Deutschlands Städte kämpfen gegen Überschwemmungen!
In Hamburg und vielen anderen deutschen Städten wird einem innovativen Ansatz zur Stadtplanung große Aufmerksamkeit geschenkt – dem Schwammstadtkonzept. Hierbei handelt es sich um ein Konzept, das darauf abzielt, Regenwasser nicht sofort in die Kanalisation zu leiten, sondern vor Ort zu speichern, versickern oder verdunsten zu lassen. So sollen Starkregenereignisse aufgefangen und Überschwemmungen vermieden werden, während in trockenen Perioden Wasser bereitsteht. Dabei setzen Städte wie Berlin, Munster, Düsseldorf, Leipzig und viele mehr auf diese zukunftsweisende Strategie, um sich an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen. Laut Handwerksblatt haben bereits einige Kommunen damit begonnen, das Einleiten von Niederschlagswasser in die Kanalisation gesetzlich einzuschränken.
Um die Ziele der Schwammstadt zu erreichen, werden diverse Maßnahmen ergriffen. Dazu zählen die Speicherung von Regenwasser in Sickergruben, Regengärten und Kanälen. Gleichzeitig wird der Boden durch Entsiegelung und Begrünung von Flächen und Dächern revitalisiert. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Anlegung großer Baumscheiben, die das Wassermanagement in den Städten unterstützen sollen. Dies geschieht nicht zuletzt durch die Pflanzung von Bäumen, die große Mengen Wasser aufnehmen und über ihre Blätter verdunsten können. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das neue Quartier 416 in Leipzig, wo das Projekt „Leipziger BlauGrün“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, bereits in vollem Gange ist, und die Fertigstellung bis 2030 geplant ist.
Fachkräfte für Klimaanpassungsmaßnahmen gefragt
Handwerker sind in diesem Kontext gefragt wie nie, denn der Umbau bestehender, dicht bebaute Siedlungen in Schwammstädte erfordert spezifische Fachkenntnisse. So hat das Umweltbundesamt bereits 2024 Berufe identifiziert, die für Klimaanpassungsmaßnahmen zusätzlichen Bedarf an Fachkräften aufweisen, insbesondere in den Bau- und Ausbauberufen. Neben der Dachbegrünung, die als zentrale Maßnahme gilt, werden Unternehmen benötigt, die sich mit Dachentwässerung und Retentionsdächer spezialisieren. Beispielhaft sei hier Rübsamen genannt, das sich auf diese neue Herausforderung spezialisiert hat.
Doch wo bleibt der Anreiz für private Eigentümer und kleine bis mittlere Unternehmen (KMU)? Die Kommunen gewähren zunehmend finanzielle Anreize für Rückbau von Schottergärten, Entsiegelung und Begrünung. In Düsseldorf etwa wurde bereits 2016 im Rahmen des Programms „DAFIB“ die Begrünung privater Flächen gefördert. In Köln hingegen übernimmt man 50 Prozent der Kosten für den Rückbau von Schottergärten dank des Programms „GRÜN hoch 3“.
Politischer Rahmen für Anpassungen
Die Bundesregierung hat als Teil ihrer Strategie zur Anpassung an den Klimawandel die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) entwickelt. Diese Maßnahme ist darauf ausgelegt, einen politischen Rahmen zu schaffen, der sektorenübergreifende Maßnahmen zur Bewältigung der klimatischen Herausforderungen ermöglicht. So informiert der dritte Monitoringbericht 2023 zur DAS über die Klimafolgen Deutschlands und über bereits umgesetzte Maßnahmen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Ein wichtiger Aspekt ist die Analyse der Klimawirkungen und Risiken, die 2021 über 102 Klimawirkungen und 13 Handlungsfelder erarbeitet hat.
Forschungsexpertise und strategische Ansätze zur Überflutungs- und Hitzevorsorge zeigen, dass die Integration von Klimaanpassung und Regenwassermanagement in die städtische Planung von hoher Bedeutung ist. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft fordert zudem einen aktiven Wandel im Umgang mit Wasser in der Stadtentwicklung. Neue Konzepte zur grünen Infrastruktur werden entwickelt, um den städtischen Raum nachhaltig zu gestalten und zukünftigen Wetterextremen besser gewachsen zu sein.
Besonders in Anbetracht der kommenden Herausforderungen durch den Klimawandel zeigt sich, dass das Schwammstadtkonzept mehr als nur ein Trend ist – es ist ein notwendiger Schritt zu nachhaltigeren und resilienteren Städten. Dieses zukunftsorientierte Denken wird auch bei der Planung und Umsetzung von Bau- und Grünprojekten immer mehr zur Basis für unsere urbanen Lebensräume.
Für weiterführende Informationen stehen die Artikel auf Handwerksblatt und Umweltbundesamt zur Verfügung.
