Pik As: Die älteste Notunterkunft für obdachlose Männer in Deutschland wird saniert und modernisiert
Die Notunterkunft Pik As in Hamburg-Neustadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich und steht bald vor einem neuen Kapitel. Ende März 2026 wird die Einrichtung, die seit Sommer 2023 vorübergehend in der Eiffestraße in Hamburg-Hamm untergebracht war, wieder an ihrem ursprünglichen Standort in der Neustädter Straße 31 eröffnet. Nach umfassenden Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten wird das Pik As dann Platz für bis zu 330 obdachlose Männer bieten, die in Zwei- und Dreibettzimmern untergebracht werden. Diese Maßnahme ist ein wichtiger Schritt, um den Bedürfnissen der Obdachlosen in Hamburg gerecht zu werden und die Qualität der Unterbringung zu verbessern. [NDR]
Das Pik As ist nicht nur die größte Notunterkunft für obdachlose Männer in Hamburg, sondern auch die älteste ihrer Art in Deutschland. Die Einrichtung wurde 1913 als „Polizei-Asyl“ eröffnet und hatte ursprünglich die Aufgabe, Obdachlose zu kontrollieren und für Ordnung zu sorgen. Der Name „Pik As“ entwickelte sich aus der Bezeichnung „Lumpenproletariat“, die häufig verwendet wurde, um die Menschen zu beschreiben, die hier Zuflucht suchten. Während der Weltwirtschaftskrise 1929 stieg die Zahl der Bewohner von weniger als 300 auf rund 1.600. Diese Entwicklung verdeutlicht die soziale Notlage, die in der Vergangenheit in Deutschland herrschte. [Hamburger Touri]
Sanierung und neue Angebote
Die Sanierung des historischen Gebäudes ist im vollen Gange und soll bis Anfang 2026 abgeschlossen sein. Ein neuer Gebäudeteil wird 33 Lebensplätze für ältere und teilweise pflegebedürftige Obdachlose bieten, die es den Bewohnern ermöglichen, in einem eigenen Zimmer zu leben und die benötigte Hilfe zu erhalten. Zudem wird im neuen Pik As eine Schwerpunktpraxis für Suchtberatung eingerichtet, die im vergangenen Jahr über 700 Patientinnen und Patienten aufsuchten. Weitere Hilfsangebote sind in Planung, doch die CDU kritisiert die fehlende Klarheit über Details nur wenige Wochen vor der Eröffnung. [NDR]
Obwohl das Pik As vielversprechende Neuerungen bereithält, bleibt es eine Notunterkunft mit bestimmten Einschränkungen. Der Einlass erfolgt ab 17 Uhr, und morgens müssen alle Bewohner das Gebäude verlassen. Mahlzeiten werden als Spende von der Hamburger Tafel oder dem Förderverein bereitgestellt. Für Personen, die länger bleiben möchten, ist der Gang zur Sozialberatung notwendig, um ihren Anspruch auf Sozialleistungen zu prüfen. Besonders hervorzuheben ist, dass Personen ohne deutschen Pass oft an andere Stellen verwiesen werden und nicht länger im Pik As übernachten dürfen. [Hamburger Touri]
Erinnerung und Verantwortung
Die Geschichte des Pik As ist auch eine Mahnung an die dunklen Zeiten der NS-Zeit, als viele Bewohner verfolgt und in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert wurden. Vor dem Gebäude erinnern 17 Stolpersteine an die Opfer dieser Zeit und stehen für die Verantwortung, die wir gegenüber den Schwächsten in unserer Gesellschaft tragen. Der Wandel von einer Kontrollstätte hin zu einem Ort, der Hilfe und Unterstützung bietet, zeigt, wie wichtig es ist, soziale Einrichtungen kontinuierlich zu verbessern und an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen. [Obdachlosenwegweiser]
Für weitere Informationen über Hilfsangebote für Obdachlose in Hamburg und darüber hinaus, besuchen Sie bitte obdachlosenwegweiser.org.
