Ein unangenehmer Geruch liegt zurzeit über den Landungsbrücken in Hamburg, und das hat einen besonderen Grund: Die Sanierungsarbeiten am historischen Kuhmühlenstammsiel, einem der größten Abwasserkanäle der Stadt, sind in vollem Gange. Laut mopo.de rechnet man damit, dass diese Maßnahmen bis zum 31. Juli andauern werden.

Das Kuhmühlenstammsiel, das mittlerweile über 120 Jahre alt ist und unter der U-Bahn-Linie U3 verläuft, ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch eine zentrale Örtlichkeit für die Entwässerung von Abwasser und Regenwasser aus mehreren Stadtteilen wie Uhlenhorst, Hohenfelde, St. Georg, HafenCity und Neustadt. Dabei sorgt es dafür, dass die Abwässer zum Klärwerk Hamburg transportiert werden. Die Dimensionen sind gewaltig: Es hat eine Breite von 4,30 Metern und eine Höhe von 3,70 Metern, wie auch das ndr.de bestätigt.

Ursachen für den unangenehmen Geruch

Die Sanierung bringt nicht nur viel Arbeit, sondern auch unangenehme Gerüche mit sich. Grundlage sind mehrere Faktoren, die zusammenwirken. Zuerst wird das Abwasser für die Sanierungsarbeiten abgepumpt, was zu einer Verwirbelung der Abwässer und folglich zu Gerüchen führt. Außerdem muss durch spezielle Belüftungsmaßnahmen für die Arbeiter die Konzentration von Schwefelwasserstoff verringert werden, was jedoch paradox den Gestank verstärkt. Reinigungsarbeiten in einem weiteren Abschnitt des Stammsiels tragen ebenfalls zur Geruchsbelästigung bei. Hamburg Wasser beruhigt jedoch: Die entstehenden Gerüche sind nicht gesundheitsschädlich.

Für die umfangreiche Sanierung des Kuhmühlenstammsiels werden rund 6,5 Millionen Euro investiert. Laut ndr.de kommen neue Rohrelemente zum Einsatz, die in die bestehende Infrastruktur eingezogen werden. Diese Maßnahmen sind Teil des umfassenden Programms „Alte Riesen“, das darauf abzielt, sechs alte Stammsiele modern und zukunftsfähig zu machen.

Wasserwirtschaft in Deutschland im Fokus

Die Situation in Hamburg ist nicht isoliert. Im ganzen Land stehen die Wasser- und Abwasserversorgungsanlagen vor großen Herausforderungen. Ein Gutachten, das im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) erstellt wurde, zeigt, dass für die kommenden zwei Jahrzehnte Hunderte Milliarden Euro benötigt werden, um die Infrastruktur zu sanieren und an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen, wie zeit.de berichtet. Die aktuellen Investitionen betragen etwa 10 Milliarden Euro jährlich. Auch in Hamburg wird es ohne staatliche Fördermittel schwierig, die notwendigen Mittel aufzubringen, um die Gebühren für Wasser und Abwasser fair zu halten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Um die Situation nachhaltig zu verbessern, fordert der VKU Maßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Trinkwasser und eine stärkere Beteiligung des Bundes und der Länder an den Kosten. Nur so können die Gemeinden die Entgelte für die Bevölkerung im Rahmen halten und gleichzeitig eine zukunftssichere Wasserinfrastruktur bieten.

Die Sanierungsarbeiten am Kuhmühlenstammsiel sind also nicht nur für Hamburg von Bedeutung. Sie sind Teil eines größeren Trends in der deutschen Wasserwirtschaft, der uns alle betrifft. Hoffen wir, dass die Gerüche bald der Vergangenheit angehören und eine modernisierte Infrastruktur entsteht, die für alle Hamburger Bewohner und Besucher ein wenig weniger „gestunken“ empfindlich wird.