In Hamburg kribbelt es: Ende Mai steht ein Referendum an, das die Zukunft der Olympischen und Paralympischen Spiele in der Hansestadt betrifft. Am 31. Mai 2026 dürfen die Bürger:innen entscheiden, ob sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit Hamburg als Austragungsort für die Spiele der Jahre 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Das Ergebnis wird live auf NDR.de sowie im NDR Fernsehen und Hörfunk übertragen, die ersten Resultate sind gegen 18:30 Uhr zu erwarten.
Damit nicht genug, denn es gibt einiges an Vorlauf. Aktuelle Veranstaltungen wie der Marathon, die „Online Marketing Rockstars“, der Hafengeburtstag und die Harley Days sind schnell wieder vergessen, wenn die Diskussion um Olympia ins Rollen kommt. Ein Wahlzettel, der im Rahmen des Referendums ausgegeben wird, enthält die entscheidende Frage, auf die mehr als 1,3 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben müssen. Damit die Abstimmung als erfolgreich gilt, sind mindestens 262.609 „Ja“-Stimmen nötig. Doch die Bevölkerung hat Bedenken: Der Widerstand gegen die Spiele nimmt zu, viele Hamburger fürchten die finanziellen Risiken und den Einfluss des IOC, das seine Einnahmen stark vom Austragungsort abschöpft.
Finanzielle Perspektiven und Infrastruktur
Die finanziellen Rahmenbedingungen sind alles andere als sicher. Laut der stellvertretenden Bürgermeisterin von Paris, mit der Hamburgs Innensenator Andy Grote sich über wirtschaftliche Nachhaltigkeit auseinandersetzte, sind die Investitionen bei Olympischen Spielen signifikant. Die Organisations- und Durchführungskosten für Hamburg werden auf satte 4,8 Milliarden Euro geschätzt, während ein zusätzliches Investitionsbudget von rund 1,3 Milliarden Euro für langfristige Maßnahmen eingeplant ist. Dies könnte helfen, die Infrastruktur zu modernisieren, eine Forderung, die viele Bürger:innen unterstützen. Aber sind solche Summen auch ohne die Spiele realistisch zu stemmen? Bedenken äußerte die Linke, die sogar ein Gutachten des Rechnungshofes einforderte, welches jedoch abgelehnt wurde.
Ebenfalls in der Diskussion steht die Frage der Anbindung. Der rot-grüne Senat verspricht neue U- und S-Bahn-Linien sowie einen runderneuten Hauptbahnhof und einen neuen, bezahlbaren Stadtteil. Diese Pläne waren zunächst schon vor den Programmierungen für die Olympiade in Arbeit. Aber damit bleibt auch die Unsicherheit, ob all diese Vorhaben auch ohne die Olympischen Spiele realisiert werden könnten – und ob die Kosten des Mega-Events überhaupt zu tragen sind. Sportökonomen schätzen die erwarteten wirtschaftlichen Impulse durch die Spiele als überschaubar ein, auch laut Timo Zimmermann, Professor an der International School of Management, wird der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf in den Jahren vor und während der Spiele nur um 3-4% betragen.
Der kulturelle Aspekt und die Rolle des Senats
Ein weiteres Thema ist die kulturelle Attraktivität Hamburgs. Kritiker verweisen darauf, dass die Stadt bereits jetzt an kulturellen Angeboten leidet – wie könnte sie da die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums aufrechterhalten? Die Hoffnung des Senats, ein langfristiges Wachstum im Tourismus zu generieren, erscheint fragwürdig. Während das Event- und Sicherheitsgewerbe kurzzeitig von den Spielen profitieren könnte, bleibt unklar, ob dieser Effekt auch nachhaltig ist.
Im Hinblick auf die Olympiakritik äußern viele Stimmen, dass der Fokus auf kommerzielle Interessen eine der großen Schwächen bei der Organisation darstellt. Fragen zur Rolle autokratischer statt demokratischer Strukturen bei der Durchführung der Spiele spielen hier ebenfalls eine Rolle. Politik und Bevölkerung sind sich uneinig, ob die Vorteile den Risiken entgegenstehen. Während der DOSB entscheidet, ob hamburgische Ambitionen als deutsche Olympiabewerbung vorangetrieben werden sollen, bleibt den Hamburgern nichts anderes übrig, als abzuwarten und am 31. Mai ihre Stimme abzugeben.
Letztendlich ist die Entscheidung, ob die Olympischen Spiele nach Hamburg kommen, nicht nur eine sportliche, sondern auch eine gesellschaftliche sowie finanzielle Herausforderung. Hamburgs Bürger:innen sind aufgefordert, sich aktiv an der Zukunft ihrer Stadt zu beteiligen.