In der Altstadt von Sasel könnte man meinen, die Zeit steht still, während sich die kulinarische Landschaft neu formiert. Das bekannte Wirtshaus Watzmann, einst ein beliebter Anlaufpunkt für Liebhaber der österreichischen Küche mit verlockenden Spezialitäten wie Schnitzel, Tiroler Gröscht’l und Kaiserschmarrn, hat sich in letzter Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Am 1. Juli 2023 wurde bereits zum zweiten Mal ein Insolvenzverfahren eröffnet. Ein trauriges Kapitel, das sich nun endgültig schließt, denn das Wirtshaus kann nicht gerettet werden.

Das erste Insolvenzverfahren im Jahr 2024 brachte die Übernahme durch die H+T Gastro GmbH, unter der Führung von Geschäftsführer Stefan Tramp. Doch die Probleme schienen sich wie ein Schatten über die Küche zu legen. Ehemaliger Inhaber Dirk Wiedenroth, der zu Beginn als Koch tätig war, sah sich gezwungen, sein Arbeitsverhältnis Mitte 2025 zu beenden. Insolvenzberater Marc Heinrich berichtete, dass ein neuer Koch eingestellt wurde, der – naja – nicht gerade kochen konnte. Das führte zu einem verheerenden Rückgang der Restaurantbewertungen im Internet. Gäste waren unzufrieden, und die Qualität des Essens sank dramatisch. Ein weiterer Koch wurde engagiert, doch auch dieser konnte die Wogen nicht glätten.

Ein radikaler Neuanfang

Ende Mai 2023 mussten schließlich alle Mitarbeitenden gehen. Ein Investor für das ursprüngliche Konzept blieb aus. Doch mit der neuen Besitzerin Phuong Nga Nguyen kommt frischer Wind in die altehrwürdigen Wände. Sie plant, das Wirtshaus in ein modernes vietnamesisches Restaurant mit dem Namen „Cham“ zu verwandeln. Ihr Motto: Asian Kitchen – Wine – Stories. Die Speisekarte wird eine aufregende Mischung aus vietnamesischer, koreanischer und japanischer Küche bieten. Ein Konzept, das auf den ersten Blick vielversprechend klingt. Die Neugier der Gäste ist geweckt!

Die Gastronomie steht aber nicht nur in Sasel vor Herausforderungen. Laut einer aktuellen Untersuchung von Creditreform ist die Branche in Deutschland stark unter Druck geraten. Seit 2020 mussten über 11.000 Gastronomiebetriebe Insolvenz anmelden. Die Ursachen sind vielschichtig: Die Pandemie hat viele Betriebe an den Rand des Ruins gebracht, gefolgt von der Energiekrise und der Inflation, die das Gastgewerbe weiter belasten. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe sind betroffen, und die Schließungen nehmen alarmierende Ausmaße an. Im Jahr 2025 gaben rund 24.500 Gaststätten auf, was einem Anstieg von fast 30 Prozent entspricht.

Die Gastronomie erlebt einen tiefen Einschnitt, der sich nicht nur in Sasel zeigt. Die Verlagerung des Konsums hin zu Lieferdiensten und die hohe Belastung durch Energie- und Mietkosten sind für viele eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Und auch wenn die Umsatzsteuersenkung eine willkommene Entlastung verspricht, kommt sie für viele einfach zu spät. Die Prognosen sind düster: Die Zahl der Insolvenzen könnte in den kommenden Jahren weiter ansteigen.

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So bleibt abzuwarten, ob „Cham“ in Sasel den notwendigen Aufschwung bringen kann. Die Hoffnung auf eine neue kulinarische Ära ist da, aber die Realität der Gastronomie ist unbarmherzig. Ein neuer Anfang, ja – aber auch ein großes Risiko. Die Uhr tickt, und die Zeit wird zeigen, ob die köstlichen Geschichten, die Nguyen erzählen möchte, auch auf dem Teller landen können.