In der Altstadt von Hamburg sorgte der Abriss des ältesten Paternosters der Welt für Aufregung. Der 1908 errichtete Aufzug, der im Flüggerhaus am Rödingsmarkt untergebracht war, wurde ohne Genehmigung entfernt. Dies geschah, während die Polizei am Sonntagabend einen Einsatz durchführte, um einen Container von der Baustelle zu sichern. Der Container, der Teile des Paternosters enthalten soll, wurde von den Polizisten auf der Suche nach Zahnrädern und anderen Bauteilen überprüft. Ob diese tatsächlich zum Paternoster gehören, bleibt jedoch unklar.

Der Paternoster war seit 1979 stillgelegt und geriet in Vergessenheit, bis er 2018 von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt wurde. Der österreichische Investor René Benko hatte 2019 das Gebäude-Ensemble gekauft und plante eine Restaurierung. Restaurator Patric Wagner und sein Team investierten über 2.500 Arbeitsstunden in die Sanierung des Paternosters. Doch nach Benkos Insolvenz übernahm 2024 der Hamburger Investor Harm Müller-Spreer das Flüggerhaus und wollte die ursprünglichen Pläne umsetzen. Allerdings verhängte das Denkmalschutzamt einen Baustopp und leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Eigentümer ein.

Ein Paternoster voller Fragen

Müller-Spreer behauptet, nichts mit dem Abbau des Paternosters zu tun gehabt zu haben. Er erklärte, der Aufzug sei im Sommer 2025 nicht mehr funktionsfähig gewesen und Teile hätten gefehlt. Das Denkmalschutzamt widerspricht dieser Aussage und berichtet, dass der Paternoster bei einer Begehung im Sommer 2025 noch vollständig vorhanden war. Restaurator Wagner bestätigte, dass der Aufzug bei zwei Ortsterminen, an denen auch Müller-Spreer teilgenommen habe, „vollständig und intakt“ war. Unklar bleibt, wer den Paternoster ausgebaut hat und wo die Teile geblieben sind. Ein Wiedereinbau scheint somit unmöglich.

Die rechtlichen Folgen für den Eigentümer könnten gravierend sein. Ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro droht, während die Denkmalschutzbehörde bereits ein Verfahren vorbereitet hat. Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein äußerte schwere Vorwürfe gegen Müller-Spreer und bezeichnete sein Handeln als skrupellos. Die Behörden haben dem Grundstückseigentümer bis Dienstag Zeit gegeben, um zu klären, wem der Inhalt des Containers gehört. Der Container wurde am Sonntagabend verschlossen und wartet auf die nächsten Schritte.

Ein Stück Kulturgeschichte in Gefahr

Der Paternoster ist nicht nur ein Aufzug, sondern auch ein Kulturdenkmal, das von Patric Wagner als „Kulturdenkmal seinesgleichen“ bezeichnet wurde. Seine Sanierung war ein bedeutendes Projekt, das nicht nur die Architekturgeschichte Hamburgs, sondern auch das Gedächtnis der Stadt bewahren sollte. Der Vorfall wirft Fragen auf, nicht nur über den Umgang mit historischen Gebäuden, sondern auch über die Verantwortung von Investoren und Eigentümern gegenüber der Geschichte. Die Kulturbehörde und das Denkmalschutzamt haben sich bereits auf der Baustelle getroffen, um eine Klärung herbeizuführen und die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

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Für die Stadt Hamburg bleibt zu hoffen, dass der älteste Paternoster der Welt nicht für immer verloren geht. Die Suche nach den verschwundenen Teilen und die Überprüfung der rechtlichen Situation sind nun erste Schritte in der Frage, ob dieses einzigartige Stück Geschichte noch gerettet werden kann.

Für mehr Informationen zu diesem Thema, besuchen Sie bitte Mopo oder NDR.