Im Privathotel Lindtner in Harburg, wo am vergangenen Abend der Wirtschaftsabend unter dem Motto „Kein Frieden mit der Rüstungsindustrie“ stattfand, herrschte ein unruhiges Treiben. Funktionäre, Unternehmer und Interessierte aus der Region kamen zusammen, während sich draußen bereits erste Unruhen abzeichneten. Zu diesem Event waren zwei Demonstrationen gegen den Auftritt von Armin Papperger, dem Vorsitzenden des Vorstands der Rheinmetall AG, angemeldet worden, was die Polizei dazu brachte, umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Wie Harburg Aktuell berichtet, verwandelte sich das Hotel in einen Hochsicherheitsbereich. Mit Hundertschaften, berittener Polizei sowie Wasserwerfern und Drohnen-Abwehrmaßnahmen war der Platz um das Hotel stark gesichert. Selbst Wächter über die Zugänge sorgten dafür, dass nur kontrollierte PKWs in den Parkplatz gelangen durften. Dennoch fanden sich rund 100 Demonstranten zusammen, die trotz des schneereichen Wetters für ihre Überzeugungen eintraten und gegen Aufrüstung sowie Wehrdienst protestierten.
Ein Abend voller Widersprüche
Rund 300 Gäste aus Harburg und Umgebung waren an diesem Abend in festlicher Abendgarderobe erschienen. Franziska Wedemann, Vorsitzende des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden, hob in ihrer Begrüßung die Dringlichkeit hervor, dass Bundeswehr, Wirtschaft und Zivilgesellschaft enger zusammenarbeiten müssen. Dabei sorgte der Hauptredner Armin Papperger mit seinem Vortrag „Europas Sicherheit am Scheideweg – Rheinmetall in der Verantwortung“ für kontroverse Diskussionen.
Papperger, der seit 2013 den Vorstand der Rheinmetall AG leitet, sprach über die geopolitische Volatilität und die Verantwortung der Verteidigungsindustrie. Die Rheinmetall AG hat in den letzten Jahren signifikant erweitert und erwartet weiteres Wachstum von 20 bis 30 Prozent. Tagesschau berichtet, dass der Konzern investiert, um ein Munitionswerk in der Ukraine innerhalb der nächsten 12 bis 15 Monate aufzubauen, um die angegriffene Nation im Krieg gegen Russland zu unterstützen.
Die Rolle der Rüstungsindustrie in Europa
Papperger äußerte sich auch zur derzeitigen Rüstungsproduktion in Europa, die er als unzureichend empfindet. Dabei sieht er die Notwendigkeit von Investitionen in die Verteidigung, um die Demokratie zu sichern und die Unterstützung für die Ukraine zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang stellt Die Zeit fest, dass die EU-Kommission plant, die europäische Rüstungsindustrie zu stärken. Dies soll geschehen, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren und Kooperationen zwischen den EU-Staaten zu fördern.
Papperger betont die Bedeutung von Fusionen und Kooperationen, um die Fragmentierung der Industrie zu überwinden. Ein Ziel der EU ist es, bis 2030 mindestens 40% der Rüstungseinkäufe gemeinsam zu tätigen und mindestens die Hälfte ihrer Budgets für in Europa produzierte Waffen zu verwenden. Die Sorgen um die Zuverlässigkeit von in den USA gekauften Waffensystemen und mögliche Lieferstopps durch unberechenbare politische Entscheidungen in den USA scheinen die Debatte immer mehr zu befeuern.
Der Abend endete schließlich mit einem festlichen Menü, bei dem die Sparkasse Harburg-Buxtehude als Bar-Sponsor auftrat. Ungeachtet der Proteste und der hitzigen Diskussionen um die Rolle der Rüstungsindustrie in Europa war das Event ein würdiger Rahmen für zahlreiche Gespräche über eine komplexe und brisante Thematik.