Überwachung im Alltag: Wie Smart Glasses unsere Privatsphäre gefährden
In Hamburg schwappt eine Debatte über heimliches Filmen mit Smart Glasses durch die Gesellschaft. Die Linke hat den Finger in die Wunde gelegt und fordert ein Verbot dieser Technik in Schwimmbädern. Warum? Weil immer mehr Frauen und auch Kinder und Jugendliche Opfer solcher heimlichen Aufnahmen werden. Ein Antrag soll nach der Sommerpause der Bürgerschaft vorgelegt werden, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Die Anfrage der Linken an den Senat zeigt erschreckende Ergebnisse: Der Datenschutzbericht des Hamburger Datenschutzbeauftragten nennt zahlreiche Vorfälle von heimlichen Videoaufnahmen seit 2020. Stell dir das mal vor – Aufnahmen in Geschäften, in Umkleiden, oder sogar gefilmte Nachbarn im Schlafzimmer. Ein Mann wurde erst kürzlich zu 5.000 Euro Strafe verurteilt, weil er Mädchen in Einkaufszentren gefilmt hat. Die Verbreitung solcher Videos, insbesondere über soziale Medien wie TikTok und Instagram, trägt zur Normalisierung dieser schockierenden Praxis bei. Frauen werden dabei oft als bloße Objekte, als Content-Ware, dargestellt, ohne dass sie es merken oder zustimmen.
Die Gefahren von Smart Glasses
Smart Glasses – sie sehen aus wie gewöhnliche Brillen, sind jedoch mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet. 2025 wurden weltweit sieben Millionen dieser Geräte verkauft. Die Technik ist unauffällig und kostet zwischen 300 und 500 Euro. Natürlich gibt es auch eine technische Seite: Ein Blinklicht soll anzeigen, wenn die Kamera läuft, doch das kann durch Tricks im Internet ganz einfach verdeckt werden. Das macht sie besonders gefährlich, denn sie können überall und jederzeit zum Einsatz kommen.
Ein Beispiel aus Hamburg zeigt, wie schnell es gehen kann: Eine junge Frau wurde am Alsterufer heimlich gefilmt, und das Video ging viral. Diese Praxis ist nicht nur unangemessen, sondern auch rechtlich heikel. Viele Deutsche – 85 % – sehen heimliches Filmen als ernstes gesellschaftliches Problem, bei Frauen sind es fast 90 %. Doch hier liegt das Dilemma: Im deutschen Strafrecht gibt es Lücken. Nur bestimmte Bereiche sind besonders geschützt. In den meisten Fällen bleibt den Betroffenen nur der Weg, auf eigene Faust gegen den Verstoß ihres Persönlichkeitsrechts zu klagen. Und das kann echt aufwendig und kostspielig sein!
Der rechtliche Schutz ist unzureichend
Die Kritik an den bestehenden Gesetzen kommt nicht von ungefähr. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat bereits angedeutet, dass das neue Gesetz als zu speziell und rechtstechnisch unglücklich angesehen wird. Das Bundesjustizministerium versucht zwar, die Schutzlücken zu schließen, doch der rechtliche Schutz hinkt hinterher. Frauen werden oft in der Aufmerksamkeitsökonomie als Rohstoff betrachtet, während Männer von diesen Machtdynamiken profitieren. Es entsteht ein Ungleichgewicht, das in der digitalen Welt immer bedenklicher wird.
Die Verantwortung für den Schutz liegt zunehmend bei den gefilmten Personen, nicht bei den Filmern. Das ist schon etwas paradox, oder? In einer Welt, die sich ständig weiterentwickelt, scheinen die rechtlichen Rahmenbedingungen oft nicht Schritt zu halten. Der öffentliche Raum wird mehr und mehr als potenzieller Gefahrenort für digitale Verwertung wahrgenommen, und das lässt einen schon nachdenklich zurück.
