Der 1. Mai ist nicht nur in Hamburg ein Tag mit langer Tradition, sondern auch ein bedeutendes Datum in der Geschichte der Arbeiterbewegung weltweit. Der Historiker Knud Andresen, der seit Jahrzehnten am 1. Mai auf die Straße geht, beleuchtet die Entwicklung dieses Tages und dessen gesellschaftliche Relevanz. Begonnen hat alles 1890, als der Internationale Sozialistenkongress in Paris beschloss, den 1. Mai als globalen Aktionstag zu feiern. Seither hat sich dieser Tag stark gewandelt und ist zu einem der meistbeachteten Feier- und Protesttage geworden. Doch was symbolisiert dieser Tag für die Hamburger:innen?
Knud Andresen erklärt, dass der 1. Mai in Hamburg 1946 mit einer ersten freien Demonstration nach dem Zweiten Weltkrieg richtig in Schwung kam. Dies war nicht nur ein Zeichen der Erneuerung, sondern auch ein klares Bekenntnis gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus. In den darauf folgenden Jahrzehnten wurde der Tag immer wieder von politischen und sozialen Veränderungen geprägt. Gabriela Huber vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) fasst die aktuellen Herausforderungen zusammen. Das Motto für den 1. Mai 2026 lautet: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“, und hebt die drängenden Themen wie Arbeitsplatzsicherung und soziale Sicherheit hervor. Die Arbeiter:innen kämpfen für ihre Rechte und gegen Verlagerungen von Standorten, längere Arbeitszeiten und sinkende Ressourcen. Hier steht das Wohl der Menschen ganz klar im Vordergrund.
Ein langes Erbe der Kämpfe
Die Wurzeln des 1. Mai liegen in einem Generalstreik von 1886 in Chicago, der die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstags fokussierte. Tragischerweise führte dieser Protest zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern und der Polizei, was sich zum „Haymarket-Massaker“ entwickelte. In Deutschland war die erste, nennenswerte Beteiligung an Streiks bereits 1890 zu verzeichnen, als rund 100.000 Arbeiter:innen auf die Straßen gingen. Das häufigste Thema in den Anfängen war die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstags. 1919 wurde der 1. Mai schließlich gesetzlich in der Weimarer Republik eingeführt. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten wurde dieser Tag 1933 zum „Tag der nationalen Arbeit“ umfunktioniert, was den freien gewerkschaftlichen Festivitäten ein Ende setzte.
Erst 1946, nach dem Krieg, erlaubte der Alliierte Kontrollrat wieder eine freie Feier des 1. Mai. Anfangs waren zwar Transparente und Plakate verboten, doch die Menschen fanden einen Weg, ihre Stimme zu erheben. In der Bundesrepublik Deutschland ist der 1. Mai bis heute als gesetzlicher Feiertag verankert. „Die Tradition des 1. Mai verbindet uns, sie ist ein Teil unseres Kampfes für soziale Gerechtigkeit“, so Andresen.
Aktuelle Herausforderungen
Doch was hat sich seither verändert? In den letzten Jahren erlebte der 1. Mai in Hamburg einige Wandel, mit dem DGB, der jenseits politischer Reden tätig wird. Historisch war die Teilnahme an Demonstrationen stark gesunken, insbesondere in den 1960ern und 70ern, bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung. Ein Highlight war sicher die Demonstration 1969, als Studierende und junge Gewerkschafter gegen die Hauptkundgebung des DGB störten. Getreu dem Motto „Zusammen stark“ haben die Organisatoren seit den 1980ern mit Absprachen und Planung darauf reagiert, um den Konflikt zwischen linken Gruppen und Gewerkschaften zu entschärfen. Die Politik bleibt seit dem Ende der 90er Jahre fern von den 1. Mai-Feierlichkeiten in Hamburg, weil man den DGB nicht mit der SPD assoziieren möchte.
„Am 1. Mai geht es darum, den Arbeiter:innen eine Stimme zu geben und ihre Anliegen sichtbar zu machen“, betont Andresen. Die Entwicklung des 1. Mai in Hamburg spiegelt nicht nur die sozialen Kämpfe wider, sondern auch ein sich wandelndes Bild von Solidarität und Gerechtigkeit, das heute mehr denn je von Bedeutung ist. Damit bleibt der 1. Mai nicht nur ein Feiertag, sondern ein aktives Signal, dass Anliegen der Arbeitswelt nicht in Vergessenheit geraten dürfen. In diesem Sinne sind alle eingeladen, ein Zeichen zu setzen und ihre Stimme für soziale Gerechtigkeit zu erheben.
Für weitere Informationen über die Hintergründe und die Geschichte des 1. Mai in Deutschland, können Sie die Artikel von taz, DGB und MDR besuchen.