Heute ist der 1. Mai 2026, und wie jedes Jahr versammeln sich Menschen in Bergedorf, um diesen bedeutenden Tag zu feiern. Der 1. Mai, der seit 1890 als Tag der Arbeit begangen wird, ist ein säkularer Feiertag, der in vielen Ländern der Welt zelebriert wird. Ein Mann, der diesen Tag seit Jahrzehnten aktiv mitgestaltet, ist Knud Andresen. Er hat die Geschichte des 1. Mai nach 1945 eingehend untersucht, um die sozialen Veränderungen in der Arbeiter*innenschaft zu beleuchten.
Die erste freie 1.-Mai-Demonstration nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1946 in Hamburg statt und zog Hunderttausende von Teilnehmern an. Ihr Hauptanliegen war die Verurteilung des Nationalsozialismus, ein Thema, das in der Gesellschaft auch heute noch relevant ist. In den folgenden Jahrzehnten wurde der 1. Mai immer wieder zum Schauplatz für politische Auseinandersetzungen. So war in den 1950er Jahren die Wiedervereinigung ein zentrales Thema, das große Demonstrationen in Hamburg nach sich zog. Doch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ab 1960 nahm die Zahl der Teilnehmenden ab, was auf einen Rückgang der Kampfbereitschaft hindeutete.
Die Wurzeln des 1. Mai
Die Ursprünge des 1. Mai liegen in den USA, wo am 1. Mai 1886 ein Generalstreik für den Acht-Stunden-Arbeitstag ausgerufen wurde. In Chicago, einer Stadt mit einer lebendigen Arbeiterbewegung, beteiligten sich damals 400.000 Beschäftigte. Diese Proteste gipfelten im Haymarket-Massaker, als eine Bombe geworfen wurde und die Polizei das Feuer eröffnete, was zu zahlreichen Toten führte. Diese dramatischen Ereignisse führten dazu, dass der Internationale Sozialistenkongress 1889 in Paris den 1. Mai als Kampftag der Arbeiterbewegung festlegte.
In Deutschland wurde der 1. Mai 1919 durch die Weimarer Nationalversammlung zum Feiertag erklärt, jedoch nur für dieses Jahr. In den darauffolgenden Jahren wurde die Verantwortung für die Festlegung des Feiertags den neu entstehenden Ländern überlassen. Dies änderte sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, die den 1. Mai zum „Tag der nationalen Arbeit“ umwandelten und die Rechte freier Gewerkschaften zerschlugen. Erst 1946 erlaubte der Alliierte Kontroll-Rat, den 1. Mai wieder als Feiertag zu begehen.
Der 1. Mai im Wandel der Zeit
Seitdem hat sich der 1. Mai als zentraler Aktionstag der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland etabliert. In den 1990er Jahren sprach niemand mehr von politischen Reden während der Feiern in Hamburg, um der Nähe des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zur SPD entgegenzuwirken. Stattdessen wurden Volksfeste organisiert, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Heute, im Jahr 2026, lautet das Motto des DGB: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“, was die aktuellen Probleme wie den Druck auf Arbeitsplätze und die Infragestellung sozialer Sicherheit thematisiert.
Der 1. Mai bleibt ein bedeutender Feiertag, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Er erinnert uns an die Errungenschaften der Arbeiterbewegung und die fortwährenden Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft gegenübersieht. Ob es um längere Arbeitszeiten oder höhere Leistungen mit weniger Ressourcen geht, der Tag fordert uns auf, für unsere Rechte einzutreten und die soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.
Für weitere Informationen zu den historischen Hintergründen des 1. Mai werfen Sie einen Blick auf die taz und den DGB.