Am 11. Mai 2026 hat der ETSV Hamburg einen denkwürdigen Moment erlebt. Mit einem beeindruckenden 4:0-Sieg gegen HEBC sicherte sich die Mannschaft die Hamburger Meisterschaft. Und das, obwohl die letzten Monate wie ein einziger Albtraum waren. Der Verlust ihres Kapitäns Sebastian Hertner, der tragisch bei einem Sessellift-Unglück in Montenegro ums Leben kam, warf einen tiefen Schatten auf das Team.
Hertner, der am 20. Dezember 2025 im Alter von 34 Jahren starb, stürzte 70 Meter in die Tiefe, als zwei Doppelsessel ineinander rutschten. Seine Ehefrau war Zeugin des Unglücks und überlebte mit Verletzungen. Der Kapitän des ETSV hatte das Team in der Hinrunde der Saison angeführt und war eine wichtige Stütze – sowohl auf als auch neben dem Platz. Der Schock über seinen plötzlichen Tod hallte durch die gesamte Hamburger Fußballszene und hinterließ eine Welle der Bestürzung. Viele Spieler und Vereine bekundeten ihr Beileid, der ETSV trug im ersten Spiel nach der Winterpause Trauerflor und widmete seine nächsten Spiele dem verstorbenen Kapitän.
Ein Titel für einen Helden
Der Titelgewinn wurde nicht nur als sportlicher Erfolg gefeiert, sondern auch als Hommage an Hertner. Trainer Jan-Philipp Rose und Sportlicher Leiter Sascha Huremovic betonten die emotionale Belastung, die das Team durchlebt hat. „Wir wollten für Sebastian spielen“, sagte Rose nach dem Spiel. Erolind Krasniqi, der mit 44 Toren in dieser Saison maßgeblich am Meistertitel beteiligt war, widmete seine Tore Hertner und hielt ein Trikot des Verstorbenen hoch. Die Kapitänsbinde des ETSV trägt nun die Worte: „Du hast uns geführt, wir tragen dich. 23.“ – eine rührende Erinnerung an Hertners Rückennummer.
Die Saison war jedoch nicht nur von Trauer geprägt. Der ETSV hatte auch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, nachdem ihr Geldgeber verschwunden war. Trotzdem entschloss sich die neu formierte Mannschaft, nicht aufzugeben. Sie wollte den Traum vom Aufstieg in die Regionalliga verwirklichen und die Nummer drei in Hamburg werden. Trotz aller Widrigkeiten hat das Team zusammengehalten und den Meistertitel errungen – ein wahres Zeichen von Teamgeist und Zusammenhalt.
Ein Neuanfang steht bevor
Doch das Kapitel im ETSV wird bald ein anderes sein. Alle Spieler des Meisterkaders werden den Verein verlassen, und so steht ein kompletter Neuanfang bevor. Die Zukunft mag unsicher sein, aber die Erinnerungen an Hertner werden im Herzen der Spieler und Fans weiterleben. Sein Erbe wird auch weiterhin das Team motivieren, denn der Sport ist nicht nur ein Spiel – er ist ein Ventil für Emotionen, eine Möglichkeit, Trauer und Freude zu verarbeiten. Vielleicht kann der ETSV in den kommenden Jahren die gleiche Stärke und den gleichen Zusammenhalt zeigen, den sie in dieser Saison entwickelt haben.
Sport, so sagt man, kann ein emotionales Ventil sein. In Zeiten von Trauer, wie sie das Team durchlebt hat, kann Bewegung helfen, die Gefühle zu verarbeiten. Ein Moment der Stille vor dem Spiel, das Fokussieren auf die eigenen Emotionen – das sind Dinge, die auch den Spielern helfen könnten. Vielleicht ist es der Sport, der sie letztendlich durch diese schwere Zeit trägt und ihnen neue Perspektiven eröffnet. Manchmal ist es auch die Reflexion nach dem Training, die Klarheit bringt und die Trauer in etwas Positives verwandelt – wie in diesem Fall den Meistertitel, der nicht nur für den Verein, sondern auch für einen geliebten Kapitän errungen wurde.