Im April 1926 begannen in Hamburg-Bergedorf die Bauarbeiten des neuen Amtsgerichts, das von Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfen wurde. An der Ernst-Mantius-Straße 8, einer der zentralen Lagen Bergedorfs, wird dieses imposante Gebäude heute als eines von acht Hamburger Amtsgerichten geführt. Doch warum war ein neuer Bau nötig? Das Amtsgericht in Bergedorf hat eine lange Geschichte, die über 170 Jahre zurückreicht. Ursprünglich bereits im 19. Jahrhundert untergebracht, war der Umzug in ein neues Gebäude in den 1920er Jahren unumgänglich, da die vorigen Räumlichkeiten im benachbarten Schloss nicht mehr den Anforderungen entsprachen. NDR berichtet, dass das neue Gericht auch eine wichtige Funktion für die damalige Zeit einnimmt, in der Bergedorf bis 1938 eine eigenständige Stadt war.

Die Bauarbeiten begannen früh – die meisten Anwohner wurden um 3:30 Uhr geweckt, als die Bauarbeiter mit den Rammarbeiten um 5 Uhr starteten. Verständlich, dass es zu Protesten seitens der Nachbarn kam. Trotz aller Herausforderungen wurde das Projekt zügig vorangetrieben. Bereits im November 1926 war der Rohbau bis zum zweiten Stock fertiggestellt. Das Amtsgericht wurde nach 20 Monaten Bauzeit am 22. Oktober 1927 feierlich eingeweiht. Ursprünglich sollten die Kosten bei 500.000 Mark liegen, doch die Inflation trieb sie auf etwa 1,3 Millionen Mark in die Höhe.

Architektur und Design

Das Amtsgericht besticht durch seinen Backstein-Expressionismus, eine Stilrichtung, die für die Architektur dieser Zeit typisch war. Bilder, die dieses Bauwerk zeigen, verdeutlichen die besonderen Gestaltungselemente, wie etwa die individuell gestalteten Treppengeländer. Darüber hinaus ist der Gerichtssaal denkmalgeschützt und bewahrt originale Stühle aus dem Jahr 1927, die fast ein Jahrhundert Justizgeschichte symbolisieren.

Das Gebäude orientiert sich geschickt am Verlauf der Ernst-Mantius-Straße und bietet rund um die Uhr Platz für die wichtigen juristischen Abläufe in der Hansestadt. Im Keller befindet sich das Grundbucharchiv, das Akten aus dem Jahr 1855 bis heute verwahrt und somit eine wertvolle Ressource für Historiker und Juristen darstellt.

Ein Jahrhundert Amtsgericht

Im kommenden Jahr feiert das Amtsgericht Bergedorf sein 100-jähriges Bestehen, was bereits der Anlass für umfassende Renovierungspläne ist. Diese sollen sicherstellen, dass das historische Gebäude nicht nur die juristische Arbeit weiterhin effizient unterstützt, sondern auch als kulturelles Erbe in Bergedorf erhalten bleibt. Eine Stadt, die als einst eigenständige Kommune einen unverwechselbaren Charakter hat, sollte sich auch ihrer historischen Gebäude bewusst sein und diese entsprechend würdigen.

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