Wenn der Zug ohne dich abfährt: Felix‘ verlorenes Gepäck-Abenteuer
Es ist der 25. Juni, und Felix Baumgarten, ein 39-jähriger aus Ottensen, hat gerade seine Sommelier-Prüfung in Koblenz mit Bravour bestanden. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht steigt er in den ICE 200, auf dem Weg zurück nach Hause. Man kann sich vorstellen, wie er sich auf ein Glas guten Wein freut. Doch das Schicksal hat andere Pläne. In Osnabrück beschließt er, sich kurz die Beine zu vertreten. Ein kluger Schritt nach einer langen Zugfahrt, denkt er sich. Doch als er gerade ein paar Schritte entfernt ist, schließt sich die Tür und der Zug fährt ohne ihn und all sein Gepäck weiter.
Felix hatte alles im Zug gelassen: seinen Laptop, persönliche Papiere, Schlüssel und sogar 50 Euro. „Was für ein Schlamassel!“, könnte man denken. Die Durchsage über die Verzögerung, verursacht durch einen vorausfahrenden Zug, war klar und deutlich. Die Reisenden wurden informiert, dass sie den Zug verlassen könnten, aber in der Nähe bleiben sollten. Und so setzt er, voller Vertrauen in seine Sitznachbarin, die auf seine Sachen aufpassen wollte, einen Fuß vor den anderen. Doch die Sekunden vergehen, und plötzlich ist der Zug schon weg. Als er realisiert, was passiert ist, ist es zu spät.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Felix handelt schnell und informiert sofort die DB-Information. Er beschreibt seinen Platz im Zug, als wäre das ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Deutsche Bahn hat sich zu dem Vorfall geäußert und bedauert die Umstände. Der Bahnsprecher erklärt, dass das Bordpersonal keine Hinweise auf den zurückgebliebenen Reisenden erhielt. Komischerweise hat Felix fast vier Wochen später noch keine Rückmeldung über sein Gepäck bekommen. Es ist, als hätte es einen unsichtbaren Tunnel gegeben, der seine Sachen verschluckt hat. Wenn man darüber nachdenkt, fragt man sich, was man in so einer Situation tun kann.
Natürlich gibt es Regeln, die einem Reisenden wie Felix helfen können. Wer in eine ähnliche Lage kommt, sollte wissen, dass er seine Unterlagen an die DB Fernverkehr AG, Servicecenter Fahrgastrechte, in Frankfurt am Main senden kann. Alternativ kann man auch in einem DB Reisezentrum oder einer Verkaufsstelle seine Anliegen vorbringen. Aber das ist nicht alles. Wenn man aufgrund von Verspätungen oder Zugausfällen die Reise abbrechen muss, hat man auch das Recht, sein Ticket im DB Reisezentrum erstatten zu lassen. Das ist schon ganz schön viel Bürokratie, die einem durch den Kopf geht.
Rechte als Fahrgast
Die EU-Rechte bei Zugverspätungen gelten nicht nur für internationale Fahrten, sondern auch für Reisen innerhalb Deutschlands. Bei einer Verspätung von 60 bis 119 Minuten kann man sich 25 % des Fahrpreises zurückholen. Ab 120 Minuten springt die Erstattung auf 50 %. Man mag sich fragen, ob Felix in diesem Fall auch Ansprüche geltend machen kann. Die Deutsche Bahn hat immerhin einen klaren Prozess für solche Fälle, auch wenn sie nicht für Folgeschäden wie verpasste Flüge oder Hotelreservierungen haftet. Das sind alles Dinge, über die man sich Gedanken macht, während man auf sein Gepäck wartet und sich fragt, ob man je wieder einen Laptop sehen wird.
Sein Fall zeigt die Tücken des Reisens mit der Bahn, wo unerwartete Wendungen an der Tagesordnung sind. Vielleicht wird Felix in Zukunft ein bisschen vorsichtiger sein, wenn es darum geht, den Zug zu verlassen. Man kann nur hoffen, dass er bald seine Sachen wieder in den Händen hält und vielleicht sogar ein kleines Gläschen auf seine zurückkehrenden Besitztümer hebt.
