In einer bedeutenden Entscheidung wird die Bergiusstraße in Ottensen umbenannt, um der Holocaustüberlebenden Esther Bejarano zu gedenken. Bejarano, die am 10. Juli 2021 verstorben ist, setzte sich Zeit ihres Lebens gegen Rassismus und Antisemitismus ein und war eine Stimme für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Vorschlag zur Umbenennung wurde von der Linken im Mai 2024 initiiert und fand rasch Unterstützung bei den Fraktionen von Grünen, SPD, Volt und FDP, was eine Mehrheit in der Bezirksversammlung sicherte. Die offizielle Entscheidung zur Umbenennung soll am 26. März verkündet werden und die Umbenennung selbst wird am 15. Dezember 2026, dem 102. Geburtstag von Bejarano, im Rahmen eines Festakts vollzogen.
Esther Bejarano wurde als Esther Loewy am 15. Dezember 1924 in Saarlouis geboren. Ihre jüdische Familie wurde während des Holocausts verfolgt; ihre Eltern und ihre Schwester wurden ermordet. Sie überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, wo sie als Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz spielte. Nach dem Krieg lebte sie zunächst in Israel, bevor sie 1960 nach Hamburg zog, wo sie sich aktiv für die Erinnerungskultur einsetzte und als Zeitzeugin in Schulen sprach. Bejarano war Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) und engagierte sich auch im Internationalen Auschwitz-Komitee. Ihr Engagement wurde 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.
Ein Vermächtnis der Erinnerung
Esther Bejarano war nicht nur eine Überlebende, sondern auch eine Künstlerin und Autorin. Sie trat ab 2009 mit der Rapgruppe Microphone Mafia auf und veröffentlichte mehrere autobiografische Romane, darunter „Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts“. Dieses Engagement zeigt ihre Fähigkeit, Musik zu nutzen, um jüngere Generationen zu erreichen und sie für die Themen Rassismus und Antisemitismus zu sensibilisieren.
Die Umbenennung der Bergiusstraße ist besonders bedeutend, da der bisherige Namensgeber, Friedrich Bergius, als Chemiker eng mit dem NS-Regime zusammenarbeitete. Die Zustimmung der Kulturbehörde zur Umbenennung gilt als sicher, obwohl es in der Vergangenheit Bedenken wegen des bürokratischen Aufwands gab. Anwohner werden rechtzeitig über die Änderungen informiert, und die Kosten für die Anpassung von Ausweisen und Dokumenten werden übernommen.
Digitale Wege zur Erinnerung
In Zeiten, in denen die Zahl der Zeitzeugen des Holocausts rapide abnimmt, wie die Jewish Claims Conference prognostiziert, dass bis 2040 90% der Überlebenden nicht mehr leben werden, sind neue Wege gefragt, um das Gedenken wachzuhalten. Projekte wie „Shoah Stories“ und „In Echt?“ nutzen digitale Medien, um jüngere Generationen an die Erinnerung an den Holocaust heranzuführen. Mit Virtual-Reality-Anwendungen können Schülerinnen und Schüler direkte Begegnungen mit Zeitzeugen erleben und deren Geschichten auf eine innovative Weise kennenlernen.
Diese neuen Ansätze zur Erinnerungskultur sind besonders wichtig, um das Wissen über die Verbrechen des Nationalsozialismus lebendig zu halten. Die Arbeit von Esther Bejarano wird durch solche Initiativen in ihrer Bedeutung unterstrichen. Sie steht nicht nur für die Schrecken der Vergangenheit, sondern auch für die Hoffnung auf eine tolerante und respektvolle Zukunft.