In Hamburg wird Inklusion großgeschrieben – besonders an der Elbschule, die als einzige Bildungseinrichtung für taube und schwerhörige Kinder fungiert. Die Schule kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, denn sie entstand 2000 aus der Fusion der Schwerhörigenschule Hamburg und der Samuel-Heinicke-Schule. Seit einem Jahrzehnt dürfen hier auch Kinder ohne Behinderung lernen. Der Schulversuch der umgekehrten Inklusion, der 2016 ins Leben gerufen wurde, bezieht sich auf die inklusive Klassen, in denen Schüler:innen mit und ohne Hörbehinderungen zusammen unterrichtet werden.
Die Elbschule hat sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Bildungszentrum entwickelt, das mittlerweile etwa 300 Schüler:innen umfasst, von denen die meisten eine Hörbeeinträchtigung oder gehörlos sind. Angestrebt wird die dauerhafte Etablierung der Inklusionsklassen, die in jedem Jahrgang angeboten werden, was den Bildungsgang der betroffenen Kinder wesentlich verbessert. Die Schülerschaft kommt aus ganz Hamburg, aber auch etwa ein Drittel der Kinder reisen als Gastschüler:innen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen an. Das Angebot richtet sich an Babys, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche und umfasst die gesamte Bildungsphase von der Frühförderung bis zu den Schulabschlüssen.
Das pädagogische Konzept
In der Klasse 7c unterrichtet Maike Rohlfs, die moderne technische Hilfsmittel nutzt, um allen Schüler:innen den Zugang zum Unterricht zu erleichtern. Dabei kommen Übertragungsanlagen zum Einsatz, die gesprochene Worte direkt auf die Hörhilfen der Kinder übertragen. In dieser Klasse lernen sieben hörgeschädigte und sieben hörende Kinder gemeinsam. Das Anliegen ist, die Entwicklungs- und Lernchancen aller Beteiligten zu erhöhen. Dies stellt auch einen bedeutenden Unterschied zu den traditionellen Förderschulen dar, die oft nicht den Bedürfnissen aller Schüler gerecht werden.
Insgesamt gliedert sich die Elbschule in verschiedene Abteilungen: Eine für lautsprachlichen Unterricht, eine für bilingualen Unterricht und ein Zentrum für Frühförderung sowie ambulante Beratung. Der Unterricht wird durch ein Team aus Lehrkräften und engagiertem Fachpersonal unterstützt, die das Ziel verfolgen, inklusive Bildung als selbstverständlichen Teil des Schulalltags zu gestalten.
Die Herausforderung der Inklusion in Deutschland
Inklusion ist mehr als nur ein Schlagwort – es ist ein menschenrechtlicher Anspruch und ein demokratisches Versprechen, wie die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) eindringlich fordert. Deutschland hat 2009 die UN-BRK ratifiziert, die ein inklusives Bildungssystem verlangt, das allen Kindern, ob mit oder ohne Behinderungen, eine wohnortnahe Beschulung ermöglicht. Dennoch besuchen im Schuljahr 2023/24 über 55,9% der Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiterhin Förderschulen. Diese Verweigerung von inklusiven Alternativen steht in direktem Widerspruch zu den geforderten Standards und fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik.
Das bislang vorherrschende selektive Bildungssystem stößt dabei auf immer schärfere Kritik. So stieg die Anzahl der Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die ohne Hauptschulabschluss die Förderschulen verlassen, auf besorgniserregende 71%. Auch die Ressourcenverteilung und die Unterstützung für Lehrkräfte wird als ineffizient und intransparent wahrgenommen, was den Weg zu einem inklusiven System erheblich erschwert. Es ist notwendig, die vorhandenen Ressourcen neu zu verteilen und in Regelschulen zu integrieren, um den Anforderungen der UN-BRK gerecht zu werden.
Die Elbschule in Hamburg ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Inklusion positiv gelebt werden kann. Ihre langjährige Erfahrung und ihr besonderes Konzept bieten Perspektiven und Möglichkeiten für viele Kinder und deren Familien. Umso wichtiger ist es, dass die positive Entwicklung der Elbschule in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext eingebettet wird, der sich energisch für eine faire und gerechte Bildung für alle Kinder einsetzt.
Für mehr Informationen zur Elbschule und ihrem Angebot besuchen Sie die offizielle Seite der Schule: elbschule.hamburg.de. Auch die Diskussion rund um die Inklusion in Deutschland ist auf den Seiten der bpb zu finden: bpb.de.
Aktuelle Entwicklungen über das Thema Inklusion in Hamburg sind auf hinzundkunzt.de nachzulesen.