Ein schockierender Vorfall hat die Hamburger Szene erschüttert: Der älteste Paternoster der Welt aus dem Jahr 1908, der im historischen Flüggerhaus am Rödingsmarkt untergebracht war, ist spurlos verschwunden. Wie NDR berichtet, gibt es nun Hinweise darauf, dass Teile des Aufzugs, darunter Zahnräder, in einem Container vor dem Flüggerhaus aufgefunden wurden. Ein Polizeieinsatz auf Anordnung der Denkmalschutzbehörde fand am Sonntagabend statt, um den Container zu untersuchen. Bis zur Mittagszeit war jedoch unklar, ob es sich tatsächlich um Bauteile des Paternosters handelt.

Der Paternoster, der sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreute, wurde 1979 stillgelegt und geriet danach in Vergessenheit. Erst 2018 wurde er von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt, nachdem er hinter einer Verschalung verborgen war. Restaurator Patric Wagner und sein Team investierten mehr als 2.500 Arbeitsstunden, um den Aufzug fachgerecht zu sanieren. Heute gilt der Paternoster nicht nur als auffälliges technisches Denkmal, sondern auch als außergewöhnliches Zeugnis der Technik- und Stadtgeschichte.

Der Konflikt um den Eigentümer

Der neue Eigentümer des Flüggerhauses, Harm Müller-Spreer, wurde in der Sache stark kritisiert. Er hatte zunächst bestritten, etwas mit dem Verschwinden des Paternosters zu tun zu haben und erklärt, der Aufzug sei nicht funktionsfähig gewesen. Später gab er jedoch zu, Teile ausgebaut zu haben, die seiner Meinung nach nicht mehr in Betrieb waren. Das Denkmalschutzamt hingegen widerlegt seine Aussagen und behauptet, dass der Paternoster während einer Begehung im Sommer 2025 vollständig war. Ein Wiedereinbau des Aufzugs ist mittlerweile unwahrscheinlich, und Müller-Spreer könnte juristisch mit einem Bußgeld von bis zu 500.000 Euro rechnen, wie Tagesschau berichtet.

Zusätzlich zu den erheblichen Vorwürfen gegen Müller-Spreer plante die Hamburger Kulturbehörde nun, rechtliche Schritte einzuleiten. Dabei wird das Hamburgische Denkmalschutzgesetz herangezogen, das bei ungenehmigten Änderungen an denkmalgeschützten Objekten zusätzliche Komplikationen mit sich bringt. Der Zustand des Paternosters, der nach umfangreicher Restaurierung wiederhergestellt worden war, erfordert nun möglicherweise eine Wiederherstellung – und das auf Kosten des verantwortlichen Eigentümers. Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein bezeichnete Müller-Spreers Verhalten als „skrupellos“ und fordert eine transparente Aufklärung des Vorfalls.

Die Relevanz der Denkmalschutzbestimmungen

Gerade das Flüggerhaus hat eine bewegte Geschichte hinter sich – es wechselte mehrfach den Besitzer, zuletzt war es im Besitz des Signa-Konzerns des Investors René Benko, bevor es 2024 in die Hände von Müller-Spreer überging. Das Gebäude selbst ist ein geschütztes Kulturdenkmal, das in der Hamburger Denkmalliste vermerkt ist. Solche Objekte erfordern in der Regel eine spezielle genehmigungsrechtliche Behandlung, was im Fall des Paternosters nicht erfolgte.

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Die Sache um den Paternoster wirft ein Licht auf das zunehmende Angebot an denkmalgeschützten Bauten in Deutschland, von denen viele nur noch in Restbeständen vorhanden sind. In Zeiten der Urbanisierung, wo alte Strukturen häufig modernen Bauvorhaben weichen, steht die Frage nach dem Erhalt solcher historischen Werte im Raum. Ein klarer Verlauf in diesem Skandal bleibt abzuwarten, aber die Hamburger Polizei ermittelt bereits.

Die Hoffnungen liegen nun darauf, dass die Untersuchungen zügig Klarheit bringen und der Verlust dieses historischen Aufzugs nicht endgültig ist. Der Paternoster ist nicht nur ein Teil der Hamburger Kulturgeschichte, sondern auch eine Errungenschaft der Ingenieurskunst, die es wert ist, bewahrt zu werden.