Plattdeutscher Lesewettbewerb begeistert junge Talente im Ohnsorg-Theater!
Rund 150 Schülerinnen und Schüler aus 26 Hamburger Schulen haben am diesjährigen plattdeutschen Lesewettbewerb „Jungs un Deerns leest Platt“ teilgenommen, der im ehrwürdigen Ohnsorg-Theater stattfand. In einem packenden Finale standen insgesamt 13 Talente auf der Bühne, und die Aufregung war groß, als die Gewinner in ihren Kategorien bekanntgegeben wurden.
In der Kategorie Grundschüler durfte sich Max Schröder von der Schule Arp-Schnitger-Stieg in Neuenfelde über den ersten Platz freuen. Sein Beitrag „Appelkerne fördert de Intelligenz“ von Uta Heinrich überzeugte die Jury. Auch die anderen Gewinner sind eine wahre Freude für die plattdeutsche Sprache: Emma Hauschildt aus der Stadtteilschule in den Reethen wurde für ihre Geschichte „De grote Aalkatastroph vun Finkwarder“ von Heiko Hausschild in der Kategorie 5. und 6. Klassen ausgezeichnet. Lina Weidmann vom Gymnasium Finkenwerder siegte in der Altersgruppe der 7. bis 9. Klassen mit „Nümms will mi hebben“ von Bernhard Koch, während Charlotte Schierwater von der Stadtteilschule Niendorf in der Oberstufe mit „De Danzmeister“ von Bolko Bullerdiek überzeugte.
Ein Wettbewerb mit Tradition
Der Wettbewerb „Jungs un Deerns leest Platt“ hat eine stolze Tradition: Seit 45 Jahren wird er jährlich ausgerichtet und ist eine wichtige Plattform, um die plattdeutsche Sprache lebendig zu halten. Lehrerinnen und Lehrer, die sich für die Förderung der Niederdeutsch-Kultur interessieren, finden auf der Webseite der Schulbehörde Hamburg weitere Informationen.
Doch das Ohnsorg-Theater ist nicht nur bekannt für solche Wettbewerbe, sondern gilt auch als die bedeutendste regionalsprachliche Bühne Norddeutschlands. Aktuell gibt es hitzige Diskussionen darüber, was „das Volk“ im Kontext des Volkstheaters wirklich bedeutet. Die Meinungen darüber, ob „das Volk“ einen breiten gesellschaftlichen Querschnitt oder spezifische Gruppen repräsentiert, gehen auseinander. Laut Süddeutscher Zeitung gibt es sogar einen Aufstand von Traditionalisten innerhalb des Theaters. Diese setzen sich vehement für eine Rückbesinnung auf die Ursprünge und die Diversität der plattdeutschen Kultur ein.
Plattdeutsch erlebt Renaissance
Die plattdeutsche Sprache selbst erlebt zurzeit eine wahre Renaissance. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa 2,5 Millionen Plattsnacker, wobei die Mehrheit zur Groß- und Urgroßelterngeneration zählt. Doch die Sprache hat das Potenzial, auch jüngere Generationen zu erreichen: In einigen Pflegeschulen im Norden wird Niederdeutsch unterrichtet, um Barrieren in der Altenpflege abzubauen. So kommt es, dass plattdeutsche Begriffe bei Demenzpatient:innen oftmals ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit hervorrufen.
Das Mecklenburgische Staatstheater zeigt mit der Aufführung von Florian Zellers „De Vadder“ auf Plattdeutsch, wie zeitgemäß die Sprache auch in modernen Kontexten sein kann. Ob in Hip-Hop oder Punkrock, Plattdeutsch hat auch in der zeitgenössischen Kultur seinen Platz gefunden. Projekte in Kitas und Schulen, ebenso wie Theateraufführungen im Freilichtmuseum Mueß oder sogar im Schweriner Zoo, zeigen, dass das Interesse an der plattdeutschen Sprache lebendig ist.
Die plattdeutsche Sprache ist also ein lebendiges Erbe, das nicht nur in festlichen Wettbewerben, sondern auch im Alltag und in der Kultur verankert ist. Mit Engagement und Kreativität können wir sicherstellen, dass diese schöne Sprache auch in Zukunft weitergegeben wird.
